Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 255
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Jahreszeiten zu rechnen, unter denen der Herbst unter
andern bei Zoega Bassiril. Ant. II, 94. in sehr ähnlicher
Gestalt auftritt. Der niedliche runde Kopf zeichnet sich
durch die Anlage und den Schmuck der Haare aus, die
vom Mittel der Stirn gegen die Ohren gekämmt anliegen,
und hier sich in runden Locken kräuseln, über ihnen liegt
ein sternförmig ausgezacktes Diadem. Die Arbeit ist im
Ganzen gut, und wenig ergänzt außer Stücken von den
mit starken Riemen umwundnen Füßen. Eine andre Statue
derselben Sammlung in menschlicher Größe hat über dem
aufgeschürzten Chiton ein Thierfell; da die Brust offenbar
männlich, bin ich geneigt, darin einen Hippoly tus-
Virbius zu sehn, wie Uhden mehrere männliche Figuren
im Artemis - Costüm benamt hat. Doch sind Kopf, Arme
und Beine vom Knie ab ergänzt, und es fehlt an Mitteln,
der Deutung größre Evidenz zu geben. Die seltsame Figur,
die Dallaway's Catalog lächerlicherweise den Apollopriester
Helenus nennt, scheint einen Diener irgend eines orien-
talisch en Cult us aus Römischer Zeit vorzustellen. Ich
habe Folgendes über die Bekleidung angemerkt. . Er trägt
ein doppeltes umgürtetes weites in langen geraden Falten
herabhängendes Gewand. Ueber diesem hängt von beiden
Schultern herab ein Tuch von stärkerem Zeuge, so daß es
nach vorn ein Dreieck bildet, dessen spitzzulaufender Zipfel
auf das linke Knie trifft, an welcher Seite das Tuch mit
Frangen besetzt ist. Die oberhalb der Ellenbogen abgebroch-
nen Arme — das Uebrige ist moderne Ergänzung — schei-
nen mit enganliegendem Leder bekleidet, das auf dem linken
eine Falte wirft. Auch die Fußbedeckung war von eigner
Art und bestand aus gekreuzten und aus senkrecht herablau-
fenden Riemen, wie ein erhaltnes Stück des linken Fußes
beweist; das Andre daran ist neu. Die Züge des Gesichts
sind regelmäßig und ohne Individualität, daher der Künstler
schwerlich eine bestimmte Person darzustellen beabsichtigt
haben kann, die Haare des Bartes und des Kopfes, um
den ein Lorbeerkranz liegt, sind in runden Locken mit starken
Vertiefungen dazwischen ausgearbeitet. Eine Gruppe von
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