Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 257
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ist, doch so viel beim ersten Blick einleuchtet, daß die Brust
einem Knabenkörper angehörte; hier lauft es um den linken
Arm herum über den Rücken und verliert sich unter dem rech-
ten Arme. In Paris kommt es an der Büste eines Mannes
aus dem Zeitalter der Antonine vor. De'script. par Clarac
n. 106. Bei einer Statue des Septim Sever No. gg.
findet sich dasselbe Band, nur daß es senkrecht von beiden
Schultern hängt. Im brittischen Museum sieht man es an
einem Brustbild des altern Gordianus (Sixth Room No.
75. in der Synopsis von 1321.), und zwar lauft hier
erstens ein Band aus dem Sinus hervor und queer über die
linke Brust weg, und dann kommt ein anderes in senkrechter
Lage darunter hervor, grade wie bei der Büste in der Galle-
rte von Petworth. In dieser kommt es auch noch an einer
andern Büste eines Knaben von sehr spater und roher Arbeit
vor, und zwar so, daß die Bulla daran befestigt ist. Die
Deutungen auf latus davns und cinctus Gabinus wird
Niemand ernstlich zu vertheidigen übernehmen; mehr Beach-
tung verdient vielleicht die Erklärung Visconti's, Monum.
Gab. No. 27. vergl. Description des Antiques du
Musee Royal No. gg. 106.: es sei das lorum der römi-
schen Kindertracht. Da indeß weder der allgemeine Begriff
eines lorum auf diefe eigenthümliche Draperie zu passen
scheint, noch dieselbe an den Statuen blos als Ersatz der
Lulla römischer Kinder vorkommt, wie es doch die Bestim-
mung des lorum war, denn wir fanden sie eben erst mit
der Lulla zusammen, und sonst mehrmals an ältern Perso-
nen, die niemals Bullen tragen: so können wir auch dieser
Erklärung schwerlich beipflichten. Visconti giebt noch eine
andre, die aber nur jene seltnere Form des von beiden Schul-
tern fallenden Bandes betrifft; es sei die zusammengelegte
Laena: indeß laßt sich diese gewiß nicht auf die andre
Form anwenden, und doch stellt diese sicher dasselbe Stück
der Draperie dar, nur verschieden angelegt. Visconti hatte
vor, an einer andern Stelle über diesen räthselhaften Schmuck
des spätem Römercostüms zu sprechen; ich finde nicht, wo
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