Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 261
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.23
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0318
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0318
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
2ÖI

ständig. Der Vogel hat dort die Krallen noch ganz unver-
sehrt. Worauf steht aber die kleine Bestie? Auf drei Mäu-
sen , deren Schwänzchen sich um den linken Fuß derselben
winden. Mit, der rechten Kralle scheint sie sich die eine oder
die andere als Fraß zum Schnabel führen zu wollen. An
vieles dachte ich. Aber daß sie auf der Mäusejagd begriffen
sey, ist mir nicht eingekommen. Ich frage: ist die Vorstel-
lung antik, oder hat ein moderner Schalk diesen Spaß sich
ausgesonnen? “

Hier ist nun die Zeichnung, wie ich sie vom Prof. Rauch
erhielt. Es giebt keine Erndte ohne einen Stoppelbüschel
(Mantua in ursprünglicher Bedeutung), keine Weinlese,
ohne hier und da ein Träubchen für die Nachlese (imCpvk-
Kig); und wenn auch diese Sammlung sich weder mit einer
Erndte, noch mit einer Weinlese messen darf, so mag doch
auch hier das Käuzchen als Zugabe für die Garbe oder den
Winzerkorb einige Entschuldigung finden.

Mit dem Scherze, den sich der Berliner Freund mit der
Restauration der Braunschweiger Eule gemacht hatte, verhält
es sich vollkommen nach der Angabe im Briefe. Da das
Fehlende einmal ergänzt werden sollte, so hätte man dem
Minervenvogel wohl eher einen Medusenkopf oder Kopf des
Giganten , mit welchem Pallas in der Gigantomachie kämpfte,
zur Unterlage geben können. Aber es gefiel dem Künstler,
ihm einen Kopf mit einem süßen, schwärmerischen Blick voll
mystischer Verzückung unterzulegen, und dieß veranlaßte mich,
vor einem Kreis von Freunden in einem scherzhaften Ge-
dicht z) dem Ganzen die Auslegung zu geben, als habe Mi-
nerva selbst ihren gefiederten Trabanten abgesandt, um sich
auf den Kopf eines frömmelnden Schwärmers und Mysticus,
wie sie jetzt so häufig der Vernunft Hohn sprechen, zu setzen
und ihn tüchtig zu zerzausen. Durch den Fund des römi-
schen Originals ist nun die Sache völlig ins Klare gekommen.

i) Das Gedicht ist abgedruckt in der von Fr. Kind heraus-
gegebenen Monatschrift: die Muse, Jahrgang 1322 im Jülius-
st ü ck. S. gg ff.
loading ...