Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 265
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worden sei, weil beide ein Lokal bewohnten, ja der Vogel,
als im früheren Besitz, sich nicht vertreiben ließ,- und eben
darum, wie selbst der im Tempeldach nistende Spörling, für
unverletzbar und heilig gehalten wurde. Von nun an be-
mächtigte sich auch die Bildnerkunst dieses Trabanten und fast
unzertrennlichen Gefährten der Pallas Athene, und Dichter
und Sagenfammler, Grammatiker und Parömiographen 6)
bemühten sich um die Wette, Wahlverwandschaften'und Be-
ziehungen dieses Vogels mit der heiligen Burgfrau ausfindig
zu machen. Ihr feuriges Auge bei der Nacht ist auch das
Auge der Göttin, die daher TXavxwmg heißt. Beide In#
cubriren; man denke nur an die Penelope, die bei Nacht
webte. Nun geht es auch früh in die Bildnerei über.
Gewiß stellte Phidias feiner in drei Hauptbildern auf der
Burg idealisirten Pallas auch das Burgkäuzchen zur Seite,
welches die neuen Archäologen, wenn sie von dieser Ideal-
schöpfung des großen-Meisters sprachen, gänzlich aus der
Acht ließen. 5 6) Und so dürfte es vielleicht nicht ganz unger

5) Statt aller übrigen sey hier nur das Sprichwort r\av£,
enraro in Erinnerung gebracht. S. Hesychius T. I. c. 834. n. 35.
wo alle alten Parömiographen citirt sind. Die Nachteule durfte
nun schon bei dem großen Salaminischen Sieg nicht fehlen. Es
gehörte also zu den Ausschmückungen spaterer Erzähler, dem auf
dem Verdeck die Griechen ermunternden Themistocles habe ein zu
seiner Rechten herbeifliegendes und sich auf den Mastkorb setzendes
Käuzchen eine so glückliche Vorbedeutung gebracht, daß nun sein
Vorschlag allgemein siegte. S. Plutarch Themistocl. c. 12. oder
p. ng. A. Seitdem war der Flug des Käuzchens eines der glücklich-
sten Augurien. Auch Agathokles ließ sie fliegen. S. Diodor XI-,
i». T. II. p. 4x3. wo Wesseling auch den Aristophanes (Vespl
roZi.) nicht vergessen hat. Doch das Käuzchen war nicht bloß durch
seinen Flug (als praepes}, sondern auch durch sein Geschrei, (als
oscen) ein prophetischer Vogel. Als solcher prognosticirte es bald
heiteres, bald nasses Wetter. S. Nie las zu den Geoponicis I»
2. 6. p. 15.

6) Wir wissen aus einer Stelle in der Rede des Dio Chryso-
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