Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 267
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Und könnte nicht jener Phidiassische Kauz auch schon
auf etwas gestanden haben? Auf hundert und aber hun-
dert alten Athenischen Münzen in allen Größen und Me-
tallen steht der heilige Pallasvogel auf einem zweihenk-
lichen, unten fpitzzulaufenden Krug, auf einer Diota, die
doch zum Aufstellen eine eigne Platte hat, da die eigent-
liche Diota sonst nur angelehnt oder eingestellt werden
konnte. Beispiele anzuführen, wäre überflüssig. Man
vergleiche indeß, um die Sache auf einmal recht augen-
fällig vor sich zu haben, das Huntersche Museum
tab. 8 — io. Das Erzeugniß des von der Pallas selbst
hervorgerufenen Oelbaums ist das Oel, worauf die Athenien-
ser einen so großen Werth legten, daß sie den Siegern in
den gymnastischen Wettkämpfen am großen Panathenäenfeste
nur einen Krug von dem Oel zum Preis gaben, wie es aus
den heiligen Oelbäumen im Hain der Pallas Athene gepreßt
wurde. Dieß Oel war zu eng mit der Besitznahme der Burg
durch die hohe Burggöttin verknüpft, als daß nicht auch in
ihrer Hauptstatue eine Andeutung darauf, konnte sie irgend-
wo mit Schicklichkeit angebracht werden, von Phidias be-
liebt worden seyn sollte. 7) Und so dürfte die Vermuthung

So war es also eine recht sinnreiche Combination, das Käuzchen mit
ausgespreizten Flügeln gerade so der Minerva auf den Kopf zu
setzen, wie in den Isisbildern die numidische Henne sitzt. Und
wirklich zeigt uns diese von vorn und hinten gebildete Bronze,
wovon nur das Köpfchen noch übrig ist, die Minerveneule sich eben
so auf dem Kopfe der Göttin ausspreizend, aber zugleich sitzt sie
auch auf einem Reliefkopf der Isis statt der gallina Numidica auf
derselben Kupfertafel.

7) Der Oelbau, die in vielen Punkten aus dem Alterthum
noch nicht hinlänglich aufgeklärte ikaiovpyia, war bis auf die
neuesten Zeiten ein wichtiger Artikel im athenischen Staatshaushalt.
S. Böckh's Staatshaushaltung der Athener I, 45.
Dieselbe Staatsklugheit, welche die heilige Olivenpflanzung, (eigent-
lich nur 12 Baume), als von der Urolive, dem unmittelbaren Pro-
duct der Minerva selbst, abstammend für so unantastbar erklärte,
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