Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 277
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den Feinde der Gelehrsamkeit, die hier an den Schemmel
des Dichters gebannt dem Gelächter Preis gegeben, aber

Gesängen gegenüber. Der Dichter wird sein eigner Erklärer, wenn er
VI, 454. die Römerin, die eine femme savante ist, die bäurischen Aus-
drücke ihrer Freundin amicae opicae verba verbessern läßt. Man sprach
im oskischen Campanien noch lange ein alterthümliches patois und
dieß und die ursprüngliche Roheit dieser Urbewohner, der griechi-
schen Verfeinerung in den dortigen Colonieen gegenüber, macht, daß
Osce loqui dem barbarischen gleich galt, womit Mazochi's ad
tab. Heracleens, p. 540 ff. und andrer) Deduction, daß Oscisch
und alt-Tyrrhenisch gleich gewesen sey, gar wohl bestehen könnte,
wenn nur nicht das sogenannte Etrurische eine weit spätere Misch-
lingssprache gewesen wäre. Allein die alte Oskerbenennung ging nun
auch auf die campanischen Samniten über (S. Niebuhr's röm.
Geschichte I. Zi.) und so wurde nun auch die campanische Sit-
tenlosigkeit und unnatürliche Wollust mit dem Spitznamen opicus
oder oscus belegt. Das ligurire inguina hieß omnictnv und opicus
wird in den alten Glossen durch dppt]707rows erklärt. So bekam
das unschuldige Wort noch eine sehr schmutzige, durch die Zügello-
sigkeit der oskischen und atellanischen Spiele ganz gerechtfertigte
Nebenbedeutung, und dasselbe hatte der gelehrte Festus gesagt s. v.
Oscus, wo er von zwei einander entgegengesetzten Bedeutungen
dieses Wortes spricht. Aber wir haben ja nur noch jämmerliche
Lappen von diesem in Fetzen zerrissenen Grammatiker! Alles faßte
der alte Cato in der vom Plinius ausstaffirten Strafrede gegen die
Griechen zusammen XXIX, i. s. 7. wo es heißt: Nos quogue
dictitant barbaros, et spurcius nos quam alios opicorum (so MUß
statt opicos gelesen werden) appellatione foedant. So die foeda
vox im alten Scholiasten des Iuvenals p. 102. edit. Cramer. Man
hat auch oft eine Bedeutung mit der andern verwechselt. So erin-
nert Meibom zu der merkwürdigen Classificazion verschiedener Völker
nach ihrem Verhältniß zur Musik beim Aristides Ouintilianus libr.
II. p. 72. wo die nur der Sinnlichkeit fröhnenden ävais3tj7oi nai
ßoniiiipardobEis genannt werden, cos o'l t& xspi 'Omraav nai
Anvnaviav, wo also die Opici als dumme und thierische Menschen
bezeichnet werden, in den Anmerkungen T. II. p. 289. Et nostro
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