Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 290
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Meyer, der früher nach dem Vorgänge Winckelmanns
(Werke VII. 201* man vergl. Meyer zu dieser Stelle S.
294.) bestimmt erklärt hatte, daß dieß der spatere Polykles
aus 01. iZZ. sei, ist jetzt (Geschichte der bildenden Kunst
bei den Griechen I. 98.) auf die Seite derer übergetreten,
die die berühmte Bronze schon in die 102. Olympiade hin-
aufrücken wollen, und Heinrich in seiner meisterhaften
Abhandlung über den Hermaphroditen ( Herrnapbroäito-
rum, artis antiquae operibus illustrium, origines et
causae. Hamburgi. 1305. p. 35.) macht noch darauf
aufmerksam, daß zu dieser Zeit Mausolus, König von Ca-
rien, den ersten Tempel jener Gottheit errichtete. Wenn
aber Heinrich auf dieses Zusammentreffen etwas bauen will,
so können wir ihm schon deswegen nicht beistimmen, weil,
was Sie selbst (Amalthea I. 363.) schon angedeutet haben,
die Statue des Polykles, nach den Nachbildungen zu urthei-
len, durchaus nicht Lempelbild sein konnte, zumal für
diese mystische Gottheit, die vielmehr auf eine ihrer Bedeu-
tung angemeßne Weise dargestellt werden mußte. Außerdem
haben, wenn ich mich recht erinnere, andere Archäologen
die gegründete Bemerkung gemacht, daß die Bildung des
Hermaphroditen überhaupt, bei aller ihrer Vortrefflichkeit,
doch das Gepräge einer krankhaften, in üppiger Sinnlich-
keit untergegangenen Zeit trägt, das der zur Zeit des Sko-
pas und Praxiteles nach dem Ideal klar und ihrer selbst be-
wußt fortschreitenden Griechischen Kunst fremd ist, und dem
Asiatischen Einfluß auf Griechenlands Culturzustand jener
Zeit zugeschrieben werden kann. — Angenommen nun, daß
der Hermaphrodit ein Werk des spatern Polykles ist, wofür
außer Winckelmann a. a. O. auch schon Lange in den
Zeittafeln der Kunstgeschichte hinter der von ihm reich ausge-
statteten Abhandlung L a n z i s über die Skulptur der Alten
stimmt, gehen wir jetzt zu einer Stelle des Plinius fort, die
bisher sehr unkritisch behandelt und etwas leichtfertig benutzt,
zu allen Verwirrungen über unfern Künstlernamen Anlaß ge-
geben hat. Es sind dieß nämlich die Worte des Plinius,
(XXXVI. 5. 8. rir. 10.) „Eum (Apollinem) qui
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