Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 299
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.24
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0356
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0356
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
299

durch die beiden nahen Meeresufer, durch den Thurm von
Sestus u. s. w. gegeben werden konnten. Einfache Darstel-
lung der unglücklichen Liebenden ohne historischen Grund
wäre dem Geist des Alterthums eben so fremd gewesen, als
die bildliche Darstellung des berühmten Sprungs den
feinen Sinn der Griechen verletzt hatte.

Zuletzt noch einige Bemerkungen zu Plinius XXXVI. 5.
8. 4* Ejusdem (Praxitelis) est et Cupido objectus
a Cicerone Verri, ille propter quem Thespiae vise-
bantur, nunc in Octaviae scholis positus. Diese Worte
haben unfern großen Leffing (vermischte Schriften X.
256-262.) zu einen Exkurs über eine Stelle in Winckel-
manns Kunstgeschichte (Werke VE S. 256.) veranlaßt,
wo es mit Berufung auf Paufanias IX. 27,3. so heißt:
„Caligula nahm unter andern den Thefpiern ihren berühmten
Cupido vom Praxiteles, welchen ihnen Claudius wiedergab,
und Nero von neuem nahm." Lessing aber behauptet, daß
Winckelmann die Worte des Paufanias nur flüchtig ange-
sehen und falsch erklärt habe, und daß dieser hin- und her-
gefchleppte Cupido nicht der des Praxiteles, sondern viel-
mehr der des Lysipp gewesen sei. Vor allem ist es nun
nöthig, die fraglichen Worte des Paufanias genauer zu be-
trachten. Sie lauten also: Gcermci-M hi vcrregov %aX-
xovv elgydaaro "Eocvra Avaiirrrog xai eri ir^orego-j
rovrov I.Igaigireki/g, kiS-ov rov ETevrekyaiov • xai
o<ja jiev £/%£V h &pvv7iv xai ro erri Ugatgirekei rijg
yvvaixog aoCpiafia, erepcoSi ijhq jxoi hehykcurai *
irguorov he ro dyakf-ux xivijaai rov "Epcorog keyovffi
Tdibv bvvacrrevGavra ev Pcüfiq, Kkavotov he öirifftu
Geumevaiv dwQirefi’^avrog, Ne^cuva avSig hevrega
dvdanaarov iroijjaai * xai rov fiev (pkoig avröBi
bieCpSeige. So weit führt Lessing die Stelle an, und be-
hauptet nun, Caligula und Nero haben nacheinander die
Statue des Lysipp entführt, wofür er als Beweis die Worte
irgdjrov he ro dyakßa erklärt durch »das zuerst erwähnte
Bild." Wenn es aber dem Anfänger erlaubt ist, von einem
so hochverehrten Meister in der Kritik, der noch den späte-
loading ...