Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 307
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ten Malers Bossi, so wie die Bibliotheken von Agincourt, Villoi-
son, Mariette, des Herzogs von Marlborough, viel Seltnes und
Schönes beisteuerten.

2.

Der Fund in den Trümmern von Selinunt.

Neapel, im August 1324.

Sie fragen nach den großen Entdeckungen, welche zwei
junge englische Architecten im Sommer des Jahres 1323. in
den Tempelruinen von Selinus gemacht haben. Sie sind
wirklich, allen Nachrichten zufolge, für die archaische Kunst-
epoche der griechischen Sculptur, die man den alten Styl
nennt, von bedeutender Wichtigkeit. Was uns bis jetzt
hier durch Druckschrift und Reisen davon bekannt wurde,
ist folgendes:

Bekanntlich zahlt man in Selinus die Trümmer von 6
Tempeln. Drei von geringerer Größe haben auf der Burg
des alten Selinus gelegen, drei andere von außerordentlichem
Umfang, wie die erstaunenswürdigen Riesentrümmern be-
weisen , liegen parallel neben einander, die lange Seite dem
Meere zugekehrt, auf einem westlichen Hügel, in fürchter-
lichstem Graus neben einander geschichtet. Es sind die un-
geheuersten Trümmern und haben ihres Gleichen nicht weiter
in Europa. Es giebt hier Architraventrümmer von 20 Fuß
Länge und verhältnißmäßiger Höhe und Dicke. *) Welche
Werkzeuge und Kräfte gehörten dazu, solche Lasten auf
thurmhohe Säulen hinauf zu bringen! Wohl mochte die
ganze Gegend den Namen von diesen Riefenpfeilern, i kileri
dei Giganti, erhalten. Zwei jugendlich kräftige britische
Architecten, Harris und Aitkin, durchwühlten mit großen

*) Die Tafel eines einzigen Kapitells macht den geräumigen
Speisetisch für 5 Reisende. S. Kephalides Reise J, 260.
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