Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 315
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1).

Auszug aus einem Briefe aus Sicilien.

(The new monthly Magazine, nr. 41. May 1, iß24* Literary
Journal. p. 209. sq. )

-— Am letzten Sommer unternahmen zwei Englische Archi-
tekten Ausgrabungen in den Ruinen der berühmten Tempel
von Selinus , und ihre Bemühungen wurden durch die Ent-
deckungen einer großen Menge von Werken in der Sculptur,
von architektonischen Fragmenten und gemalten Verzierungen
belohnt. Der eine dieser Künstler starb zu Selinus an einem
durch Hitze, Anstrengung und ungesunde Luft verursachten
Fieber; und sobald die Regierung von dem glücklichen Er-
folg der Ausgrabungen benachrichtigt worden war, nahm
sie von allen entdeckten Sachen Besitz. Sie wurden nach
Palermo gebracht und dort der kleinen Sammlung der Uni-
versität einverleibt, wo auch ein Theil der Antiken ist, welche
früher ein Engländer, Herr Faghan, aus den Ruinen
von Tyndaris bekommen hatte. Da ich schon theils zu Rom,
theils zu Neapel von diesen Selinuntischen Sculpturen
gehört hatte, eilte ich bei meiner Ankunft in Palermo sie zu
betrachten, und ich will Ihnen eine kurze Beschreibung da-
von geben , die ich vielleicht vervollständigen kann, wenn
ich die Ruinen, wo sie gefunden wurden, gesehen und un-
tersucht habe. Die Werke gehören zu den Ueberbleibseln
zweier Dorischer Tempel, deren einer innerhalb der Citadelle
oder Acropolis steht, der andre außerhalb, auf dem Platz,
der i kileri heißt. Abgerechnet die große Anzahl kleiner
Bruchstücke, wie Hände, Füße, Stücken von Gewand, vier
Köpfe, hat man drei Bas-reliefs gefunden, die wahrschein-
lich Metopen sind. Alle diese Werke sind von einem schönen-
dichten Kalkstein oder Tuff, der jedoch an mehrern Stellen
durch den Einfluß der Atmosphäre bedeutend gelitten hat.
Der Styl ist der der alten Griechischen Schule, und ob ich
es gleich hier nicht wagen will, Uc Zeit oder den Ort genau
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