Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 316
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zu bestimmen, so haben sie augenscheinlich eine bedeutende
Uebereinstimmung mit den berühmten Aeginetischen Statuen.
Die Arbeit ist jedoch weit roher, die Stellungen viel unna-
türlicher, und die Formen konventioneller. Von den drei
sogenannten Metopen sind zwei so weit erhalten, daß über
das Ganze so wie über ihre ursprüngliche Größe und Gestalt
kein Zweifel übrig bleibt. Die dritte jedoch scheint zu der-
selben Gestalt und Bildung durch Restauration gekommen zu
sein. Die zwei Metopen sind flach, haben aber oben und
unten eine rechtwinkliche Platte; die untere, auf der die
Figuren stehen, gehört zu dem Architrav, die obere zu dem
Kranzleisten. Die untere Platte ist Zoll hoch, die Me-
tope 3 Fuß 8-§ Zoll, die obere Platte ungefähr 8 Zoll hoch;
die Platte, auf der die Figuren stehen, ragt ungefähr
6 Zoll hervor. Dieses erste Stück enthalt drei Figuren,
welche ohne allen Zweifel den Hercules Melampygos (mittelste
Figur) und Passalus und Acmon, die beiden Söhne der
Thia vorstellen. Der Held, dessen Figur ungefähr 3^ Fuß
hoch ist, von starkem Wuchs und völlig verdrehten Schen-
keln , steht, wie ich oben bemerkte, in der Mitte, den Ober-
körper dem Beschauer zugewendet, Schenkel und Beine ganz
in Profil, so daß die Füße einer vor dem andern in paral-
leler Richtung stehen. Der Kopf hat einen manierirten
lächelnden Ausdruck, besonders um den Mund, und ist
bartlos; das eine Auge, welches noch erhalten ist, scheint
geschlossen zu sein, oder doch nur sehr wenig offen zu stehen.
Das Haar ist auf der Stirne regelmäßig gelockt. Der Kör-
per, an dem eine ausgezeichnete Fülle der Theile bemerkbar
ist, die dem Helden den Beinamen geben, und worin er
mit den Figuren auf den alten Sicilischen Vasen überein-
siimmt, scheint ganz nackt zu seyn, und wir sehen nur das
kurze Schwert über den Rücken hängen, während das Wehr-
gehenk nur durch einen rothgemalten Strich aus der Brust
angezeigt ist. Er hat die eine Hand auf seiner Brust, und
mit der andern hält er eine der Seitenfiguren. Diese hän-

gen einander ganz ähnlich und gerade zur Rechten und Lin-
ken herunter, mit gebogenen Knieen und über die Brust
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