Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 322
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Anaxandrides/ Diphilus/ Philyttius/ Rhinton hatten der-
gleichen gedichtet/ Achaus, Jon/ Cratinus hatten ihren
Dramen selbst den Namen der Omphale gegeben. Aber noch
hat niemand das Drama bestimmen könne»/ welches Me-
nander in der bekannten Stelle des Terenzischen Eunuchus/
(V, 8. vergl. Lucian D. D. XIII. T. I. p. 237- das Wort
ßXavrovy, sandalio commitigare caput stammt daher
bei Pollux VII, 87») und Ovid in seiner 9ten Heroide vor
Augen gehabt haben. Aber hundert Anspielungen und selbst
mehrere Bildwerke beziehen sich darauf. Dann auch mach-
ten die vom Herakles gezüchtigten lydischen Kerkopen ein
sehr lächerliches Intermezzo, und aus den vorhergegangnen
satyrischen Dramen entlehnten die Komödiendichter Eubulus
und Hermippus in ihren Dramen, die den Titel
führten / und wovon mehrere Bruchstücke beim Athenaus Vor-
kommen/ ohnstreitig später ihren Stoff. So viel läßt sich nun
aber mit größter Wahrscheinlichkeit annehmen/ daß folgende
Scene in einem der frühem Dramen/ die den Herakles im
lydischen Frauendienst dem Gelächter der Zuschauer Preis
gaben / sehr ergötzlich vorgestellt worden sei.

Herakles hatte zwei dieser Kerkopen als wahre rrpuord-
yQia und Repräsentanten der ganzen Sippschaft lebendig
gefangen/ und brachte sie nun in der lächerlichsten Stel-
lung von der Welt über die Bühne getragen/ um sie der
Omphale vorzulegen. Vielleicht wissen wir auch die Namen
dieser beiden von Herakles zur Schau getragenen Spitzbu-
ben. Aeschrion aus Samos (oder Sardes) hatte sie in
seinen Jamben genannt. *) Sie hießen Andulos und
Atlantos. Wir wissen dieß aus Harpokration 8. v. Ke'^-
xeviP p. 101. Gronov. o 'Zafiiog (daß so

gelesen werden müsse / nicht AiGxivqg 6 'Zapöiavog, leidet
keinen Zweifel) kv rolg idjjißoig xai rd övöixara ad-

*) Das Gedicht des Aeschrion aus Samos, in welchem die
Kerkopen Vorkommen, hieß ’'E<ps.sis und handelte von den Sagen
des alten Ephesus. S. Ttzetzes Scholien zu Lycophron 688., wo
Müller T. II. p. 740. einige Nachweisungen giebt.
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