Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 325
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Die Römer nannten sie aerumnam, furcam. Und so er-
scheint eben Herakles selbst als Sclave der Omphale in
dieser Verrichtung. Uebrigens ist dieß Tragegeräth wohl
auch noch auf andern alten Denkmälern zu sehen, obgleich
nicht immer in der Auslegung richtig verstanden worden. * *)

vergißt zu oft, daß die rohere Sprache Roms zu zwei Drittheileu
von der Wirthschaft und dem Ackerbau entlehnt war. Leichtere
Sachen trug man auf dem Kopf. Aber was man auf dem Buckel
tragen mußte, das bajulare, das ttiot aerumna. Schon Schef-
fer hat in seinem gelehrten Werke de Re Vehiculari II, z. p. 18 f.
darüber alle Nachweisungen gegeben. Dadurch wird es erst deut-
lich, warum Äuintilian VIII. Z. 26. dieß Wort zu seiner Zeit an-
tiquirt wissen will, was weder Geßner noch Spalding ganz gefaßt
haben. Das Wort hatte für jene verfeinerten Römerohren zu viel
Rusticitat. Selbst der Gebrauch des Worts aerumna für die zwölf
Arbeiten des Herakles hat eine bisher fast ganz übersehene Neben-
bedeutung des Tragens auf dem Rücken. Denn da der Heros alles,
was er auf Eurystheus Befehl erlegt oder gebändigt hatte, ihm zu
Mycenä vorlegen mußte, so mußte er es auch auf dem Rücken zu
ihm getragen bringen. So wurden die labores Herculis ganz
eigentlich aerumnae. Beim erymanthischen Eber, dem kretensischen
Stier, dem Geryon, den Pferden des Diomedes, der kerinytischen
Hindin zeigen uns dieß selbst die alten Bildwerke. Allein es laßt
sich auch, wenn man die Spur verfolgt, auf den cophinus beim
Stalle des Augias, den Gürtel der Amazone, die Köpfe der Hydra,
die Stymphaliden und den Cerberus ausdehnen. Nur die alle
Siege krönenden Hesperidenäpfel trägt er in der Hand.

*) Als Beweis gelte die neuerlich vielbesprochne weibliche Figur auf
der berühmten Vase des Vivenzio, die Greuel im eroberten Troja vor-
stellend, welche mit einem sonderbar gestalteten Holze auf einen
zu Boden gestürzten und mit dem Schild sich deckenden Helden zu-
schlägt. Schorn, welcher eine ausführliche und scharfsinnige Er-
klärung dieser Vase giebt im Homer nach Antiken, im IX. Heft,
läßt es S. 34. ganz unentschieden, welche Art von Nothwaffe diese
von Muth entflammte Trojanerin schwinge. Allein es dürfte wohl
kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß die von mir in den Ideen
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