Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 329
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gegenwärtigen Stand archäologischer Forschungen wohl gege-
ben werden könnte, *) wahrscheinlich seine Stelle gleich
nach den berühmten Denkmälern vom Dreifußraub ange-
wiesen erhalten würde. Die Erläuterungen, welche der
eben so scharfsinnige als gelehrte, aber von seiner Bele-
senheit nur den zweckmäßigsten Gebrauch machende britti-
sche Archäolog Millingen zu jener Vaticanischen Vase giebt
(S. 56 f.) enthalten in gedrängter Kürze das Wissenswür-
digste über die Kerkopen, und klären besonders den Punkt
ihrer vollkommnen AehnlichkeiL mit den ältesten pferdeartig
geschwänzten Satyrn sehr fein auf, nur darin vielleicht ir-
rend, daß diese Scene nach Lydien gesetzt wird, da wir
sie doch wegen des Melampygussteins und der oben ange-
führten Stelle des Herodotos am liebsten mit Ottfried Mül-
ler **) in die Pässe der Thermopylen versetzen möchten.

*) Bekanntlich gab schon der Brandenburgische Hofantiquar
Lorenz Beger in seinem zu Berlin 1705 in Folio erschie-
nenen Hercules Ethnicorum ex variis antiquitatum reliquiis de-
lineatus einen Versuch der Art heraus. Allein was wollen diese
aus Boissard und andern zusammengerafften 38 Kupfertafeln sagen,
die noch obendrein eben so incorrect gezeichnet als schlecht gestochen
sind? Da Herakles sich auch in der neuen Hofallegorie am besten
zu Plafonds (man denke an den Farnesischen von Annib. Caracci),
Processionen und Hoffesten eignete, so kam auch Graf Caylus
auf die Idee, die ganze Herculesfabel durchzugehen und daraus
Sujets für Maler vorzuschlagen. Dieß geschah in seiner Histoire
d’Plercule le Thebain— avec la Description des Tablaux, qu’eile
peut fournir. Paris 1758. Da ist denn Stoff zu 107 Gemälden
vorhanden. Allein wie lehrreich und durch Vergleichungen sich
wechselseitig aufhellend würde der ganze Herculische Mythencpclus
jetzt, wo allein weit über ioo Vasengemalde vorhanden sind, die
ohnstreitig diesen Urheros betreffen, zusammengestellt werden kön-
nen, in einem Werk, wie es Millingen wünscht in den Erklä-
rungen zu den Peintures inedites de vases grecs p. ZZ.

**) In den Doriern Th. I. S. 458» vergl. S. 427.
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