Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 335
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marmornes Becken. Der Name Labrum, die Angabe des
Preises, und die Erwähnung der Personen, die es arbeiten
ließen, finden sich in einer merkwürdigen Inschrift an dem-
Rand des Beckens. Die eingegrabnen Buchstaben sind mit
Bronze ausgefüllt; sie sind folgende: CN. MELISSAEO.
CN. F. APRO. M. STAIO. M. F. APRO. II. VIR.
ITER. ID. LABRUM. EX. DD. EX. P. I. F. C.
CONSTAT. HSDCCL. Die Arbeiter haben eben jetzt

ein drittes großes abgesondertes und eben so gewölbtes
Zimmer aufgedeckt. Das Täfelwerk desselben, wovon der
größere Theil sichtbar ist, schmücken reiche und zierliche
Gegenstände auf rothem und blauen Grunde. Auf dem
großen Felde in der Mitte ist Cupido mit 2 Seepferden,
einen Delphin hinter sich, und einen andern Cupido mit 2
Delphinen vor sich. Die kleineren Felder sind ebenfalls
größtentheils mit Cupido's angefüllt. Unter den Täfelwer-
ken hin läuft ein Fries, getragen von Figuren in alto re-
lievo, Die manche Atlanten, manche Caryatiden nennen,
die aber nach der gewöhnlichen Bedeutung beider Wörter
keines von beiden sind. Nahe bei dem Eingänge ist ein
Jüngling auf einem Panther liegend, mit Keule und Köcher,
vielleicht ein Bacchus mit den Waffen des Herkules.

Der Fleiß der hiesigen Alterthumsforfcher beurkundet sich
auch in der Herausgabe eines neuen periodischen Werkes:
Mernorie Bella 8ocieta Archeologica. Dieser erst feit
kurzem gestiftete archäologische Verein giebt hier zum ersten-
mal seine Früchte an den Tag. Die Inschrift einer in Ca-
pua gefundenen Münze des Crispus, Sohns des Kaisers
Constantin Virtu8 exercii^uurn^ und eine Inschrift, worin
zwei Muciani als Speculatores der 2ten Legion Vorkommen,
gaben dem gelehrten Fed. Rossi Stoff zu zwei Abhandlungen,
worin besonders der wahre Sinn der Speculatores im rö-
mischen Kriegswesen (Leibgardisten, Feldjäger, auch im Noth-
falle Scharfrichter) entwickelt wird. *) Die meiste Gelehr-

Diese Inschrift auf den Speculator Mucianus erklärt schon
Lipsius zu Tacitus Hm. 1,24. wo die erste gründliche Erklärung dieser
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