Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 339
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0396
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0396
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
3 39

echtem Grecchetto gearbeitete große Büste des Aristides,
die selbst Visconti in seiner überhaupt noch sehr lückenhaften
Ikonographie, wo Aristides ganz fehlt, nicht kannte. Auch
mag die iZ. Kupfertafel zur Kenntniß der alten Geräth-
schäften willkommen feyn, da sie mehrere, in Pompeji ge-
fundene Schnellwaagen aus Bronze abbildet. Aus dem
allen aber geht hervor, daß ein verständiger Nachstich des
interessantesten aus diesem Werke, mit Auswahl und zweck-
mäßiger Erklärung, etwa in der Fortsetzung des Homer-
schen Bilderbuchs, uns sehr willkommen seyn müßte. *)
Das Interessanteste in diesem Museo Borbonico möchte
wohl der am Ende jedes Bandes zu gebende Bericht seyn
von den neuesten Ausgrabungen und Hermäen, die dabei,
dem Schooße der Erde entrissen worden. In dem bis jetzt
allein erschienenen 4ten Heft giebt Professor Becchi eine be-
lehrende Nachricht über die an den Gebäuden in Pompeji
angemalten Inschriften, die man genau von den in Stein
eingehauenen oder auch wohl in seltnen Fällen mit Bronze
erhöheten Inschriften unterscheiden muß. Wir lernen dar-
aus, daß in jenen Zeiten nichts gewöhnlicher war, als alles,
was man zur Kenntniß des Publikums zu bringen gedachte,
mit rother oder schwarzer Farbe (minio vel atramento)
an den Mauern der besuchtesten Stadttheile in größern oder
kleinern Buchstaben, aber nie in solchen, die wir Cursivschrift
nennen, anzumalen, das veraltete oder zwecklos gewordene
dann zu übertünchen und auf die neugetünchte Wand neues
anzuschreiben. So war ein weit selbstständigeres Mittel
für unsere Papierankleberei, was wir auch wohl-Mauer-
schriften nennen, zum Behuf der Affichen gefunden. So
wurden Schauspiele, besonders Fechterspiele, angekündigt,
Häuser, Badeanstalten, Magazine für Maaren - Verkauf
(tabernae, pergulae) zur Miethe oder zum Kauf ausge-
boten , auch wohl Huldigungen aller Arr öffentlich darge-

*) Die einzige, unsers Wissens, von diesem Werke über das
Museo Borbonico bis jetzt im Druck erschienene Nachricht findet
man in H o r m a Y r' s Archiv 1324. n. 33. S. 483 f.
loading ...