Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 343
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spätem paläographischen Werke, die es bloß mit den Grie-
chen und Römern zu thun haben, des hypothesenreichen
Rich. Payne Knight Analytical Essay (1791.) nicht
ausgenommen, gehen überall viel zu wenig auf das Tech-
nische und das Material in der Schreibekunst ein. *)

Aus allem scheint hervorzugehen, daß theils aus Spar-
samkeit und Mangel an Baarschaft, theils aus Bequemlich-
keit die geweißten Wände tüchtig herhalten mußten. Zu
was allem griff man nicht, um ein Surrogat für Schreibe-
Lafel oder Papyruschatte zu haben. Wer erinnert sich nicht
an den Gebrauch der weißen Töpferfcherben beim schrift-
lichen Abstimmen, wie bei dem davon benannten Ostrakis-
mus? Die Liebeserklärungen schrieb man in Baumrinde
oder auf Aepfel. Eine von den Sammlern über die Paläo-
graphie übersehene Stelle findet sich beim Diogenes von

*) So viel scheint deutlich, daß man drei Stufen des Schrei-
bens annehmen muß: 1) eigentliches Eingraben, lyy'Ktxpeiv, iyya-
pdsßnv. Wie viel erzählt man uns von den ypäfijxasiv iv sti)-
Tian. Wie viel gab es Worte dazu. S. Pollux V, 149. 150. Da-
hin gehören die 'Epjxai 'iTtnäppEioi und alle Gesetze und öffent-
liche Vortrage, kurz alles was auf Metall gegraben wurde. Damit
fangt die Schreibekunst an. Nun erfindet man, jenes Eingraben
erleichternd, die Wachstafeln, worauf auch alle ypafifia7Eiay Con-
tracte concipirt wurden. S. Saumaise ds mad. usur. c. 15.
p. 402. Nun erst verbreitet sich von Aegypten aus der Gebrauch
der Charte, (gewiß ein altagyptisches Wort, trotz aller gewöhn-
lichen Ableitung von japäsaziv; denn wie hatte man auf das zarte
Papyrusblatt einkratzen können?) das nennt der Grieche ßißxia,
da er die Papyrusstaude selbst ßiß\os zu nennen gelernt hatte.
Allein diese Charten wurden nun in scapis, in Rollen zu 25 anein-
ander gefügten schedis, paginis (nur die pugillares haben tabellas)
verkauft und mußte also theuer seyn (wiewohl wir nirgends einen
Preis angegeben finden). S. die hier vollkommen genügende und,
weil der Polyhistor die Sache nur summarisch behandelt, auch licht-
volle Abhandlung bei Saumaise zum Vopiscus Lcriprt. H. A.
T. II. p. 697-708.
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