Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 344
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Laerte, wo von der Armuth des Kleanthes die Rede ist. Er
bemerkt sich die Discurse seines Lehrers, des Zenon, auf
Scherben oder den gebleichten Schulterknochen der Ochsen,
weil er keine kleine Münze znm Ankauf der Charte hattet)
Wie willkommen mußte also hier jede weißgetünchte Wand
seyn! Und sie war es bei jeder Gelegenheit. Man wollte
ein Haus vermicthen oder verkaufen. Nichts leichter, als
daß man, gerade so wie einige Mauerschriften an den Hau-
sern von Pompeji die Miethe durch Schrift auf der weißen
Wand noch ankündigen, mit großen Buchstaben dieß bei der
Hausthüre auf der Wand kund that. *) **) Und wie leicht

*) Tovtov <pasii> eiff osrparia nai ßoSov d>]iotz\u.tas ypd-
Op&iV airtp Tjnovs irapä rov Zrjvaavos dizopia. riav riepjudroov
wäre divr/sasSai papTia. VII, 174. Menage hat dazu noch
ein zweites Beispiel angeführt. Unter der verkleinernden Form
jcapria versiehe man spEbdpia, schlechtere Papyruscharten, die auch
auf der Rückseite zu ersten Entwürfen und Concepten beschrieben
wurden, und daher wohlfeiler waren. Lucian Vir. Auct. c. 9. T. I.
p. 549. nennt sie ßißkia 6xiG$6ypa<pa, die den Palimpsesten in
den Membranen gegenüberstehn. Wie beim Lucian der Schnapp-
sack des Cynikers, so sind in Eunapius Aedesius p. 24. Boissonad.
sariTÄa vrröjxESTa ßiß?vibicov die Bewahrer solcher schlechtern
Chartenblätter. Gewiß war auch der Gebrauch der Scherben von
gebranntem Thon, QoöTpana, testae) weit häufiger, als bloß bei
den suffragiis testarum, dem Ostrakismus, der r^EpafiEini] pdsriE,
wie sie ein alter Komiker genannt hatte. S. Hesych. s. v. Davon
ausgehend schrieb man nun auch das bekannte o beiva nahos, mit
den Namen des Lieblings selbst, auf Gefäße von gebrannter Erde,
die als Huldigung bei feierlichen Gelegenheiten dann auch mit in
die Gräber gebracht wurden. S. über dieß nd\6s auf alten Vasen,
Vasenerklärungen III, 62-74. und I. Millingen Vases inedits,
Introduction p. III. Daraus erhellet aber auch, wie unangemefien
der Vorschlag einiger neuen Archäologen war, die ganze Vasenma-
lerei Ostrakographie zu nennen, da man dann darunter auch jede
bloß beschriebene Töpferscherbe verstehen müßte.

**) Man sehe das durch so manche Controversen gegangene
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