Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 345
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war eine solche Ankündigung wieder übertüncht! — Man
wollte seine Neigung zu einem geliebten Jüngling, einer
schönen Hetäre laut aussprechen. Dann durfte man nur an
eine der Wände an den öffentlichen Säulenhallen gehn, welche
an dem belebtesten Theil der Stadt, dem Quartier des Ke-
rameikos, standen und täglich zur Zeit, wo der ganze

Vermiethungsprogramm eines Theils der Gebäude der Julia von
einem Hause in Pompeji, wie es in Rosini's Dissertatio Isagogica
auf der 4ten Kupfertafel mit diplomatischer Genauigkeit abgebildet
und cap. X. p.6g ff. erklärt worden ist. Das ist eine wahreMauer-
schrift, mit schwarzen Buchstaben auf die getünchte Wand geschrie-
ben. Vergl. Plautus Trinum, 1,2. 132, Nun wird man also die
bekannte Stelle in Terenz Heautont. 1, ». HL. Inscripäi illico aedeis
mercede recht buchstäblich zu verstehen anfängen, und so gut ein
servus inscriptus ein Sclave ist, dessen Stirn ein Stigma aufge-
brannt ist, so würden aedes iöscriptae die seyn, auf deren Mauer
unmittelbar die Schrift steht» Fast alle Commentatoren, auch
Ruhnkenius pag. LZ2. Bruns verwechseln es mit proscribers.
Nun macht zwar auch Saumaise ds mod. V8. p. 662. zwischen
beiden den Unterschied, daß itiscfibere einen Anschlag, affiche (titu-
lns, tabella) am Hause selbst, pr08o,dbers einen Anschlag am Fo-
rum bedeute, welches auch an vielen Stellen, wo das proscribere
vorkömmt (S. den Schützischen Index tüioeion. 8. V. proscribere
T. XIX. P. II. p. 374. und was schon Barn. Brisson in seinen
Leiem. Inr. Civ. Antiq. III, i. p. 104. darüber gesammelt hat)
gegründet seyn mag. Allein den wahren Unterscheidungspunct lehrten
uns erst die Pompejanischen Inschriften. In Menanders Original
mag es allerdings geheißen haben npovypafov. Denn die Griechen
kannten in beiderlei Sinn nur jrpoypd<psiv, welches schon aus
Arrian Ois3eri:. Lpicr. III, 1. 23. und 24, go. wo das 7rpoypd(pEiv
von den <fapfianoxcso\ais iv rf) ayopa. vorkommt, zur Gnüge
hervorgeht. Das alles aber schließt den Fall nicht aus, daß auch
eine eigene Aushangetafel, timlus (S. zu Tibull II, 4. 53. und
N. Heinsius zu Ovid Uem. Am. 301.) am Hause befestigt seyn
konnte.
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