Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 346
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Markt sich füllte, *) das ganze Volk der neugierigen Keche,
naer auf einem Platze, der höchstens sechs mal größer war
als die Hamburger Börse, zufammendrängte, den Namen
des Günstlings mit dem Zauberklang des Beiwortes schön
in Verbindung gesetzt anschreiben, und die wohlgefälligste
Liebeserklärung war ausgesprochen. Dergleichen verliebte
Seufzer schwarz auf weiß auszuhauchen, muß in Athen
überall gebräuchlich gewesen seyn. **) Merkwürdig aber ist,

*) jr'XtjSo-Osijs ayopas zwischen der 3ten und 6ten Vormit-
tagsstunde. S. Ducker zum Thucydides VIII, 92. Wesseling
zu Diod. T. I. p. 549.

**) Waren doch die Tuilerien in Athen auch so leicht zu be-
stimmen und zu umgränzen, als die Pariser. Seit Meursius seinen
Ceramicus geminus herausgab (Trau ad Rhen. 1663) hat niemand
daran gezweifelt, daß es einen durch das Thor Dipylos geschiedenen
doppelten Kerameikos gab, einen äußern, an den die Akademie
granzte und wo die Gräber der Patrioten waren, und einen mitten
in der Stadt, mit der alten Agora verbundenen innern. Aber
alle genauere Umgränzung hat selbst dem scharfsinnigsten Topogra-
phen, dem Oberst-Lieut. Leake noch nicht gelingen wollen, the
Topography of Athens p. 75. 102. vergl. mit dem genauen Plan
n. 1. So viel ist deutlich, daß an einem der besuchtesten Plätze im
innern Keramikus die athenischen Courtisanen gerade so ihr Spiel
trieben, wie in den Tuilerien die Pariser. S. Scholien zu Aristo-
phanes Equit. 769. Hesychius s. v. Kspafi. Hier war es ja, wo
nach einem Fragment des Jdomeneus bei Athenäus XII. p. 533. v.
oder c.45. p. 481. Themistocles sich von 4 neben einander gespannten
Freudenmädchen, deren Namen uns sogar noch aufbewahrt sind, um
die Zeit, wo die Menge dort am stärksten war, biä roh Kzpa-
jiEinov 7rhi}Svov7os, fortziehn ließ, eine Erzählung, die entweder
gar keinen Sinn, oder den buchstäblichen des Vorspanns hat, so sehr
sich auch Schweighäuser (Animadv. p. 437.) dagegen empört fühlt.
An einer der hier befindlichen Säulenhallen erlaubte sich nun die
ausgelassene athenische Jugend nicht nur die Namen ihrer gefeierten
Hetären, sondern auch oft die ihrer begünstigten Liebhaber an die
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