Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 353
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Was bis zum Jahre 1819» der durch seine Reise nach
Griechenland und seine Begleitung der Königin von England
bekannte Sir William Gell in Verbindung mit dem Archi-
tecten John P. Gandy in 13 Heften (zusammen mit den
4 vorbereitenden Tafeln 8r KupfertafelnXXXII. und 273 Sei-
ten Text in Royaloctavo) unter dem Titel Pompeiana (13175
19., London bei Rodwel und Marta, Newbond Street)
herausgegeben hat, ist allerdings besonders in den maleri-
schen Ansichten, die Gell durch die camera lucida recht
niedlich aufzunehmen wußte, und in den allgemeinen und
einzelnen Planen (pl. 2. 27. 35. 43. 63.) mit möglichster
Genauigkeit (so weit sich so etwas wegstehlen ließ) wieder-
gegeben. Aber die sogenannten Restaurationen, d. h. die
Blätter, wo einige Tempel, das Forum vom sogenannten
Jupiter-Tempel aus gesehen, das Haus des Pansa, in
ihrer ganzen alten Herrlichkeit wieder aus den Gräbern er-
standen vor uns stehen, sind trügerische Fantasiegebilde, und
erinnern bei aller den Sinn nur zu leicht bethörenden Ele-
ganz an ähnliche Täuschungen einer architectonischen Fata
Morgana in St. N 0 ni' s Voyage pittoresque und ähn-
liche glänzende Lügen. Man kann das Gute in Gellls Pom-
pejanis nicht geistreicher würdigen und anerkennen, als es
von einem Kenner, der auf einer wissenschaftlichen Reise von
Wien nach Sicilien auch Pompeji zum Gegenstand aufmerk-
samer Forschungen unter sehr günstigen Umständen gemacht
hatte, in den zu Wien erscheinenden inhaltreichen Jahr-
büchern der Literatur (1322. XX. Band, Seite
1 — 19) bereits geschehen ist. Der erklärende Text, den
englische Reviews dem Baumeister Gandy zuschreiben , hat

dienst sich erwirbt, und die Brauchbarkeit derselben durch eine unserm
O. Julius Sillig aufgetragene Bearbeitung und Ergänzung
des mit so großem Luxus gedruckten Originaltextes noch vermehren
wird, auf unsere Veranlassung auch eine Auswahl aus Mazois
Werk, so wie aus Gell's Pompejana, wovon in London selbst kein
Exemplar mehr zu haben ist, nach Vollendung jener frühern Auf,
gaben zu veranstalten nicht Unterlasten.

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