Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 365
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sich in den alten italienischen Städten (vor allen in der
Piazza zu Venedig) wohl noch Schattenbilder , aber nir-
gends mehr ganz erhaltne Baudenkmäler finden, und es
gehört zu den interessantesten Abschnitten dieser Wanderungen,
daß ihr Verfasser alle dazu gehörigen Bauwerke, in 16 Unter-
abtheilungen genau durchging und erläuterte. Dabei kommt
nun auch das in neuerlichen Controversen wieder so vielfach
erklärte Chalcidicum bei Vitruv in Anregung, welches Hr.
von Goro (S. 149) nach Maßgabe des hier wirklich auf-
gedeckten, durch eine Inschrift genau bezeichneten Gebäu-
des ganz einfach für eine Vorhalle erklärt, die nicht nur
zur Verschönerung des Gebäudes, sondern auch zu einem
Obdach für diejenigen diente, die auf Einlaß warteten. *)

stammen soll, recht, und wie ist seine Angabe mit der trefflichen
Untersuchung in Leake's Topography of Athens Sect. IV. p. g3 ff.
in Einklang zu bringen? Es leidet keinen Zweifel, daß die vollen-
dete Aufdeckung des großen Civilforum in Pompeji, besonders noch
die inGell's Pompejana pl. 50-62. mitgetheilten, durch den in Go»
ro's Wanderungen vielfach berichtigten Hauptplan Taf. XII.
zu verbessernden Grund- und Aufrisse, hierbei die ersprießlichsten
Dienste leisten konnten. Viel lehrreiches hat Visconti darüber
bemerkt auf Veranlassung des Forums von Gabii in den Monu-
menti Gabini p. 24. tav. C. Die auf einer eigenen Kupfertafel
dort versuchte Restauration tav. A. ist auf jedem Fall weit bescheid-
ner und angemeßner, als das gewaltige Fantasiestück, womit Gell
seine Britischen Landsleute durch eine Darstellung dieses Forums
in einem fein gedruckten Kupferstich in Staunen gesetzt hat, plate 43.
wo es auch an einem cnrricle nicht fehlt, auf welchem eben ein
Senator vom Rathhause wegfährt!! Eine ganz andere Restaura-
tion hatte Napoleon mit dem Poro Napoleon in Mailand vor.
Was hier unterbrochen wurde, sollte es nirgends ausführbar seyn,
z. B. auf dem Platz vor der Glyptothek in München? Darüber
mag uns Hr. v. Klentze eine belehrende Auskunft geben!

*) Es ist bekannt, welche Streitigkeit die Ableitung und Be-
deutung dieses Chalcidicum in den letzten Jahren veranlaßte, und
was Arditi in seiner Schrift de lege Petronia p.XV. ff. darüber
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