Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 371
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0428
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0428
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
371

ist mit dem Peplus bedeckt. Hinter ihr steht Merkur;
sein linker Fuß sehr hoch erhoben, die linke Hand hebt
sich gegen seinen Kopf und die rechte hält den Caduceus.

Winckelmanns Zeichnung hat statt der Juno eine sechste
Muse sitzend, mit Sirenenfedern. Wir könnten diese Figur
für die Mutter der Musen oder für die betrachtende Poly-
hymnia nehmen, die dieser ähnlich in einer Statue des
Museo Chiaramonte und einem Relief in Lelveckere
erscheint; aber die Sirenenfedern können kaum der Mnemo-
syne beigelegt werden, eben so wenig als Polyhymnien der
ausgezeichnete Platz. Außerdem ist die Zahl sechs für die
Musen unerhört; aber fünf werden, ob man sie gleich
nur in dem eben erwähnten Werke sieht, von Tzetzes zum
Hesiod bestätigt. Millin hat die Federn weggelassen, viel-
leicht nach Besichtigung des Reliefs. Nun fangen die
Figuren der Seitengruppe an, die sich bis in das mit-
telste Feld ausdehnen; wenigstens scheinen der sich aufleh-
nende Knabe in einer Phrygifchen Mütze und die Figur
des Flußgottes in gleicher Richtung mit der Minerva, eher
zu den letzten als zu den Mittlern zu gehören. Der Phry-
gier sieht aufwärts zu Marsyas; es mag Olympus sein,
der auf einem Vatikanischen Candelaber traurig neben sei-
nem bestraften Lehrer steht. (Mus. PCI. V. 4.) Ihm zu-
nächst ist die gewöhnliche Vorstellung des an einer Fichte
aufgehängten Marsyas wiederholt; dann folgt ein Jüng-
ling in aufgefchürzter Tunika, ohne Aermel, mit Phry-
gifcher Mütze, und mit beiden Händen das Seil anfas-
send mit welchem Marsyas gebunden .ist. Den Beschluß
macht der Scythe in aufgeschürzter Tunika, Phrygischer
Mütze, der auf Marsyas schauend das Messer wetzt, wel-
ches ihm droht. Ein andrer Jüngling ist sehr roh aus-
gearbeitet, scheinbar ohne Kopfbedeckung, die Beine über
einander geschlagen und ein langes Schilfrohr haltend. Die
untere Hälfte ist bedeckt. — Außer diesem Sarkophag wurde
an der nämlichen Stelle noch ein andrer gefunden, merk-
würdig wegen seiner ungewöhnlichen Zierlichkeit. Er ist
loading ...