Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 378
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Eine im großen Kunstpublikum viel zu wenig bekannte
Sache ist durch des großen Pariser Archäologen Quatre-
mere de Quincy neuestes Werk über Raffael so zur Sprache
gebracht worden, daß wir wünschen müssen, es möchten un-
sere Landsleute in Rom darauf besonders ihr Augenmerk rich-
ten, und erforschen, ob sich nirgends eine Spur von Raffaeli-
schen Zeichnungen nach damals vorhandenen Ruinen auf-
finden lasse. Quatremere lehrt uns *) aus den Lettere
pittoriche (T. VI. p. 15.) daß Raffael, der nach dem Breve
Leo X., worin er zum Intendanten der Alterthümer in Rom
ernannt worden war (27. August 1515.), nun auch durch seine
Schüler und Untergebenen alle damalige Ruinen Roms mes-
sen, zeichnen und muthmaßlich restauriren ließ, ut integram
urbem architectis considerandam proponeret, wie Paulus
Jovius in seinem Elogio auf Raffael sagt. Quatremere setzt
es auch nach Francesconi außer Zweifel, daß der bekannte
dem Graf Baltasar Castiglioni zugeschriebene Brief, worin
dieser dem Pabst schrieb, er habe ihm befohlen, daß er ihm
das alte Rom wieder vor Augen brachte, so weit es sich aus
seinen jetzigen Trümmern in der Idee wieder Herstellen lasse
(ch ’io ponga in disegno Roma antica, quanto si conoscer
si puo per che quello oggidi si vide) an Raffael geschrie-
ben sei. Damit stimmt auch des Fulvius Ursinus Zeugniß
überein, welcher aussagt, daß Raffael wenig Tage vor seinem
Tode noch Herstellungen antiker Bauwerke aus den noch übrigen
Spuren gemalt habe, welches also wirklich architektonische
Gemälde gewesen seyn müßten.

Eine ganz andere Aufgabe, als die nur durch eigene An-
schauung in Rom selbst zu losen ist, gab sich ein fleißiger
deutscher Forscher, der Professor und Inspektor der Ritteraka-
demie in Lüneburg, O. Carl Sachse, in seinem wenige Mo-

*) Histoire de la vie et des ouvrages de Raphael (Paris,
Gosselin 1324.) p. 285 — 294. Er verdankt die Beweise zu seiner
Nachricht über Raffael den topographischen Forschern und Zeichnern
Tiraboschi und Francesconi. Allein sein bleibt doch immer das Ver-
dienst der lichtvollen Zusammenstellung.
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