Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 389
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III.

Aus En g l a n d.

a.

London im August 1324.
Ein wackerer Feldmesser und Geognost, Ioh. Burton,
wird von dem rastlos wirkenden Vicekönig von Aegypten,
der sich gewiß ganz anders erklärt, als man glaubt, so
bald er nur erst Herr von der Vormauer Aegyptens, von
Candia ist, zu geologischen Untersuchungen am rothen Meer
hinab gebraucht. In der östlichen Wüste, parallel mit
Syout, hat er hinter dem Berg Gebal Dockham (d. h. Hü-
gel des Rauchs) den ganzen Steinbruch von dem herrlichsten
Veräe und i'osso antico (Porphyr) gefunden, den man
in der Zeit der Ptolemäer und unter den Cäsarn für Sar-
cophage, Vasen und Säulen brauchte. Das ist das Ca-
rara Aegyptens. Dort wurde alles nicht bloß aus dem Ro-
hesten bearbeitet. Unermeßliche Blöcke, zum Theil schon
behauen und eingetheilt, große Vasen u. s. w. fanden sich
dort in wilder Verwirrung zerstreut. Aber wir dürfen von
Burton selbst die interessantesten Bemerkungen über diese
noch gar nicht erschöpften Fundgruben mehrerer bis jetzt nicht
mehr gefundenen alten Marmor - und Halbedelsteinarten, und
Aufschlüsse über die technische Behandlung derselben zu einer
Zeit nirgends erwarten, wo der Luxus der Lagiden und der
Weltbeherrscher an der Tiber die letzten Ergebnisse einer tau-
sendjährigen Kunstübung in diesem Urland der Cultur in Be-
wegung setzte. In Belet Kebye, den Trümmern eines alten
Dorfs, fand Burton einen zierlichen Tempel mit ionischen
Säulen, und auf der Fronte eine lange Inschrift, die Le-
tronne noch nicht kannte. Auch in den Steinbrüchen
zwischen Gheen und Cosseir fand er eine Menge Inschriften,
griechisch mit Hieroglyphenschrift gegenüber. Neue Proben,
ob Champollion's Entzifferungen richtig sind.
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