Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 397
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und das 6te Kapitel, welches die westliche und nördliche
Küste Klein-Asiens umfaßt, Peraa, Doris, Carien, das
Thal des Mäanders und Cayster, und die Küste von Jo-
nien, die Ufer des Caicus, dann Troas, Bithynien und Pa-
phlagonien durchgeht. Hier wird die von Sir William
Gell, als dieser im Auftrag der Dilettanti Society diese
Gegend bereiste, zuerst am Thron eines sitzenden Apollo Di-
dymaus auf der heiligen Straße zum Orakel der Branchiden
abgeschriebene griechische Bustrophedon-Jnfchrift mitgetheilt. *)
Sehr interessant sind seine Bemerkungen (S. 2 58.) über die
Ursachen, warum fast alle Spuren vom Weltwunder, dem
Tempel der Diana von Ephesus, verschwunden sind. Die
Nähe der See in alter Zeit erleichterte das Fortschaffen alter
Tempeltrümmern und Baulichkeiten zu anderm Gebrauch in
der Zeit der barbarischen Zerstörungswuth. Dann aber ent-
stand nach und nach eine hügelartige Erhöhung des Bodens,
die nicht nur den Hafen ausfüllte und die See auf eine
Stunde weit hinaustrieb, sondern auch in tiefer Schuttmasse
alle frühere Spuren des Tempels völlig begrub. **) Hier
wäre doch noch manches durch angestrengte Nachgrabungen
zu erhalten. Die Ebne von Troja, von Rhöteum und Alexan-
dreis an bis zu der Spitze des Jda erhält hier nach so zahl-

*) S. oben S. 40. ff. mit der Kupfertafel HI. Fig. 2. B.

**) An architect would probably still find beneath the soil
sufficient traces to afford a perfect knowledge of the original
construction p. 260. Vielleicht erlebt es selbst unser wackerer
£ i v t, der sowohl in seiner besondern Vorlesung über den
Tempel der Diana zu Ephesus (Berlin 1309.) als in seiner Ge-
schichte der Baukunst bei den Alten I, 232, ff. II, 60. ff. die Re-
stauration dieses Wunderbaues (Taf. VIII.~) versucht hat, ob-
gleich neue Reisende keine Spur davon fanden, daß
die jetzt mit neuer Hoffnung belebten Dilettant! in England oder
eine schon langst in Liefland vorbereitete Reisecaravane von Ge-
lehrten und Alterthumsfreunden dort selbst mit Verkündigungen des
Spectateur oriental in Smyrna förmliche Nachgrabungen veranstal-
ten und die Richtigkeit seiner Annahmen prüfen dürfen. B.
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