Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 399
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Vor wenig Monaten ist endlich ein längst angekündig-
tes und erwartetes Werk über die Ebne von Olympia, den
Sitz der größten panhellenischen Kampfspiele durch so viele
Jahrhunderte, von John Spencer Stanhope in einem dün-
nen , aber wegen der herrlichen Kupfertafeln 5 Guineen
kostenden Folioband in einer Buchhandlung in Bondstreet er-
schienen, *) welche nur die prächtigsten Kupferwerke im Ver-
lag und Verkauf hat, und daher von unseren Nabobs, welche
zugleich Bibliophilen sind, wenn sie von ihren Landsitzen
in die Stadt kommen, zuerst besucht wird. Sie wissen,
daß neuerlich von Paris aus die erheblichsten Zweifel gegen
das wirkliche Vorhandenseyn einer Stadt Olympia, die
doch selbst Barbier du Bocage nach Barthelemy's Angabe
verzeichnet hatte, erregt worden sind. Gail gab zuerst in
einer in der Classe der Geschichte und Alterthümer des In-
stitut de France 1813 vorgelesenen Abhandlung den An-
stoß zum Zweifel, daß diese ganze Stadt Olympia ein in
Dunst zerfließendes Luftgebilde einer antiquarischen Fata
Morgana sei. Stanhope, ein correspondirendes Mitglied des
Instituts, wurde von Quatremere de Quincy, dem Sekre-
tär der Classe, aufgefodert, da er eine Untersuchungsreise
nach Griechenland vorhatte, an Ort und Stelle genaue
Forschungen und Vermessungen zu machen. Stanhope trat
nun wirklich in Begleitung seines Bruders, eines Herrn
Collingwood und des geschickten jungen Architecten Allason,
der später die Alterthümer von Pola herausgab, diese Er-
sorschungsreise an, schiffte sich von Zante nach Chiarenza
in Morea ein, (dem alten Cyllene) und vollendete in
nicht langer als 14 Tagen alle seine Untersuchungen
auf der Ebene von Olympia, von dem Pyrgo oder Thurm von
Miraka aus in der Nachbarschaft des alten Elis. Das

*) Olympia, or Topographical illustrations of the actual state
of the Plain of Olympia. By lohn Spencer Stanhope, F. R. S.
and Correspondent of the R. Institute of Franc. London 1824.
(76 S. in Folio mit 17 Kupfertafeln.) Rodwell and Martin.
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