Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 405
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0462
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0462
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
405

Payne Knight ist todt. Wie Sie schon aus öffentli-
chen Anzeigen ersehen haben werden, hat er alle seine Kunst-
schätze, deren Werth auf mehr als 50,000 Pfund geschätzt
wird, dem brittischen Museum vermacht. Es befindet sich
alles schon in unfern Mauern; Bronzen, Gemmen, Mün-
zen und herrliche Zeichnungen alter Maler, vorzüglich des
Claude Lorrain. Wie reich wird das brittische Museum!
Payne Knights Bronzensammlung war so schön und ausge-
sucht, daß sie nirgends in der Welt ihres Gleichen hatte,
und seine griechischen Münzen machten selbst der Sammlung
des Königs von Frankreich den Rang streitig. Jetzt mit

Frate. Der Lord bezahlte jede Zeichnung mit 20 Scudi. Nun
ließ er sie von dem berühmtesten Kupferstecher in diesem Fache,
Henry Moses, nach und nach mit höchster Eleganz und Genauigkeit
stechen (dem Vernehmen nach zahlte er für jede Kupferplatte zwan-
zig Guineen) und entschloß sich endlich, sie mit Erklärungen des
würdigen Aufsehers der Antiken im brittischen Museum, v. Noehden,
nur in 250 Abdrücken, 25 Exemplare auf Seidenpapier eingeschlos-
sen, erscheinen zu lasten. Jeder Unbefangene wird beim Anblick
dieser Kupfertafeln eingestehn, daß die so bedenkliche Aufgabe bei
geschnittenen Steinen und Münzen, das kleine, in seiner Kleinheit
aber unübertreffliche Kunstwerk vergrößert wieder zu geben, hier
über alle Erwartung gelang. Hier ist nichts verflacht oder verzier-
licht. Der Zeichner hat den plastischen Effect verstanden, das Relief
tritt hervor. Welche Köpfe! Die Köpfe des bärtigen und unbärti-
gen Herkules, Neptun im Profil, vor allen aber das unbeschreib-
lich schöne Köpfchen in voller Ansicht in der ersten Nummer, und
dann der belorbeerte Apollokopf auf der Münze von Catania (No. II.
pl. 9.), der uns hier nicht im Profil, sondern in voller Ansicht
erscheint, erfüllen den Beschauer mit seltner Lust. Dazu der ge-
schmackvolle Commentar, der das rechte Mittel zwischen abschwei-
fender Ausführlichkeit und bloßer Nomenklatur hält, und nirgends
die treffenden Beweisstellen und Vergleichungen fehlen läßt! Wir
beziehen uns auf die davon gegebene ausführliche Anzeige im arti-
stischen Notizenblatt bei der Abendzeitung von 1324-
n. 14. von 1325. n. 5. V.
loading ...