Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 409
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0466
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0466
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
-— 4v9

verheiratet, stets für seine Ueberzeugung, seine Freunde, für
Kunst und Wissenschaft den edelsten Gebrauch machte. Im-
mer Unterzeichnete er, wo es eine Unternehmung zur Beför-
derung nützlicher Forschungen, Unterstützung der Reisenden,
Herausgabe kostbarer Werke galt, zuerst und mit sehr bedeu-
tenden Summen. Die bekannte Dilettanti Society und
die von ihm nach Griechenland abgeschickten Reisenden hatten
an ihm den kräftigsten Beförderer. Eine Zeit lang saß er
im Unterhaus als Parliamentsglied für Ludlow, und war
stets in seinem politischen Glaubensbekenntniß ein unerschüt-
terlicher Whig, verfehlte keine Gelegenheit über die Ver-
schwendung Pitt's und der Minister (the wasteful profu-
sion of the British government) zu klagen, und als Fox
1806 starb, beweinte er seinen Tod in einer Monody, die
er besonders drucken ließ und unter seine, Freunde vertheilte.
Er hatte daher auch die Ehre in einer eignen Caricatur Gilray's,
als ein Parteigänger der Foxiten, mit allerlei Anspielung auf
seine sonderbare Alterthumsliebhaberei aufgeführt zu werden.
Daher war er auch ein unentgeltlicher Mitarbeiter an dem
antiministeriellen Edinburgh Review. Aber dabei gab es
keinen glühendern Freund des Vaterlands und des Königs,
wo es auf Ordnung und Recht ankam.

Er war ein großer Kenner der klassischen Literatur und
der griechischen Sprache, die er meist für sich studiert hatte;
und Alterthumskunde wurde schon früh seine Lieblingsbeschäf-
tigung. Ueberall mischte sich viel Fantasie in seine Forschun-
gen und so bekamen selbst seine gelehrten grammatischen und
philologischen Forschungen eine eigenthümliche Tendenz, wobei
die kalter prüfende Critik oft den Kopf schütteln mußte.
Jndeß ist sein Verdienst um die Wiederherstellung der älte-
sten Formen und Lesarten und die mannichfaltige Anregung,
die er wegen des Gebrauchs des digamma Aeolicum gab,
auch dann noch mit Dank anzuerkennen, wenn er sich bei
der allzuraschen Anwendung in seinen Behauptungen zu weit
führen ließ. Er hatte es früh mit einer Wiederherstellung
des ursprünglichen Textes der Homerischen Gesänge zu thun.
Die Prolegomenen dazu gab er unter dem Titel: an Anaiy-
loading ...