Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 415
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Kunst, und der Herausgabe eines mit ungewöhnlichem Auf-
wand besorgten Kupferwerkes über die in England befindli«
chen antiken Bildwerke in Bronze und Marmor. In seinem
geräumigen Hause in Sohosquare erbauete er sich selbst ein
eben so geschmackvoll als zweckmäßig eingerichtetes Museum
(wobei er manchen Fehler vermied, den Charles Townley,
lange Zeit sein Nebenbuhler, im Erwerb von antiquarischen
Kunstschätzen, begangen hatte) und ordnete darin seine aus
5 Classen bestehende Sammlung. Von unschätzbarem Werth
war seine mit unsäglichem Fleiß und großem Verstand zu-
sammengebrachte Sammlung kleiner antiker Bronzefiguren von
der erlesensten Schönheit. Denn Knight war derselben Mei-
nung, die auch Göthe in seinen Kunsturtheilen oft ausge-
sprochen hat, daß sich in diesen kleinen Bronzen die wahren
Ideale der griechischen Sculptur und die sprechendsten Belege
zu den verschiednen Zeitaltern der griechischen Kunst erhalten
hätten. Ein Jupiter mit der Schaale, also ein Milichios,
und ein Merkur mit dem Beutel, wovon der erste 8 Zoll,
der letzte 4Zoll hoch ist, galten seit langerZeitals die 2 schönsten
in England. 1li6 Iupiter and Mercury are unrivalled
in England, sagt Dallaway in den Anecdotes of the
arts p. 307. Beide befinden sich im ersten Theil der Lpe-
cimens of ancient sculpture pl. XXXII. und XXXIII.
XXXIV. in natürlicher Größe von Agar meisterhaft gestochen.
Beide beweisen auch, wie seltne Glncksfälle Knight beim Er-
werb seiner Juwelen in Bronze, wie er sie selbst wohl zn
nennen pflegte, oft erlebte. Im Jahr 1792 wurde ein gan-
zes Nest voll herrlicher Bronzen zu Paramythia in Epirus
ausgegraben und fast alle wanderten zu Knight. Der Merkur
wurde 1732 in der Gegend von Bugny in der Diöces von
Lyon gefunden, kam später in den Besitz des Abbe Chalet
beim Domstift zu Belleville, wanderte dann 1788 zum Abb«
Tersant nach Paris und rettete sich beim allgemeinen Schiff-
bruch der französischen Geistlichkeit 1792 nach England zn
Knight. So hatte fast jede seiner auserwählten Bronzen
ihren eignen Stammbaum aufzuweisen. Deutsche, weld)e sie
noch kurz vor seinem Tode sahen, wie Ottf. Müller in
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