Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 435
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0492
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0492
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
435

würdige Liebhaberei in dem Erlesensten und Zierlichsten,
wie es die Antike darbietet, als schönen fürstlichen Haus,
rath erworben und ihren Kunstkammern zugesellt haben,
oder was als wahre Nationalmuseen die Kunstliebenden
Pabste in Rom, die obersten Staatsgewalten in Wien, Nea-
pel, Florenz, Parma, Turin, in Paris und London dem
schaulustigen und lehrbegierigen Publikum großartig geöffnet
haben. Denn war nicht seit Jahrhunderten die Bedingung
der Fortdauer und Erhaltung jener köstlichsten Vermächtnisse
des Alterthums an solche fürstliche Prachtliebe und Munift-
cenz geknüpft? und entstand nicht eben dadurch jener frucht-
bare Wetteifer vieler Regenten, den Glanz ihrer Pallaste
auch durch solche Sammlungen zu vermehren und zu ver-
herrlichen ? * *) Zwar bleibt auch hier noch die Frage übrig,
ob nicht durch verständige Einrichtungen und hochherzige
Vergünstigungen der obersten Staatsbehörden auch manchem
dieser königlichen Säle oder Nationalmuseen öffentliche Lehr-
säle beigegeben werden könnten, worin zu gewissen Zeiten
und mit wohlerwogener Beschränkung einer der kundigen Auf-
seher oder andere damit beauftragte Professoren archäologi-

bliothek d. s. W. abgedruckte Abhandlung wird die erste Stelle
im ersten Bande der vermischten antiquarischen Abhand-
lungen und Aufsatze einnehmen, deren Sammlung unter den
Augen des Verfassers zu besorgen D. Sillig sich bereitwillig er-
klärt hat.

*) Würde, um nur beim Nächsten stehen zu bleiben, Dresden
das reichste Antikenmuseum in Deutschland, wenn die Zahl der Sta-
tuen und alten Marmors in Anschlag gebracht wird, noch jetzt den
fremden und einheimischen Kunstfreunden und unfern Zöglingen in
der Malerakademie öffnen können, wenn nicht der prachtliebende
König August I. zu Anfang des vorigen Jahrhunderts mit dem, sein
Versailles auch mit Antiken schmückenden, Ludewig XIV. hatte wett-
eifern wollen, und so die Chigische Sammlung in Rom mit Einem
Ankauf von der Tiber an die Elbe zu versetzen, vom Pabst, dessen
Büste noch jetzt dafür von uns hochgehalten wird, die Erlaubnis
gewonnen hätte?
loading ...