Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 441
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graphische und historische Gründe gestützt, daß sich wohl
mit höchster Wahrscheinlichkeit behaupten läßt, daß die
jetzigen Ruinen sich ganz und gar von den Zeiten der
Römer herschreiben. Werden aber denn gar keine Alt-
Karthagischen Ruinen noch dort gefunden? fragen Sie,
und ich glaube beinahe es bestimmt verneinen zu können.
Ich habe mit dem Grafen Borgia und mehreren Freunden
die genauesten Untersuchungen angestellt, freilich nichts
nachgraben lassen, aber auch gar keine Spur von eigentlich
ältern Karthagischen Ruinen finden können; daß späterhin
von einem Herrn Humbert Altqre gefunden mit puni-
schen Inschriften, die in Holland, seinem Vaterlande, Herr
ausgegeben worden sind, beweist meiner Meinung nach
nichts gegen die Hypothese; denn es ist wohl kaum zu
bezweifeln, daß Tempel und Altäre den heimischen Göttern mit
Inschriften in der Landessprache auch in der Römischen Stadt
errichtet wurden. Die Ursache, warum sich keine Ruinen
von Gebäuden des Phönicischen Karthago mehr finden,
glaube ich darin suchen zu müssen, daß theils die Bau»
Materialien schlecht oder wenig dauerhaft waren, aus Back-
steinen oder lockerem Sandstein, der sehr leicht verwittert,
und keineswegs aus Marmor oder andern noch dauerhaftern
Steinarten, die im Lande selten sind; theils daß die Rö-
mer, die nichts halb thaten, und sich eben so gut auf
Niederreißen als auf Bauen verstanden, das verhaßte Kar-
thago gewiß tüchtig niedergerissen und gänzlich zerstört und
geschleift haben; und endlich daß die zerstörte Stadt gegen
2O2 Jahre ganz in ihren Ruinen darnieder lag, und also
ganz verschwinden konnte. —

Zusatz.

Wir glaubten diesem Brief hier um so mehr einen Platz
einräumen zu müssen, da über die neuerlich so sehr in An-
regung gekommenen Alterthümer des punischen Karthagos
wohl jeder Streit beseitigt wird, wenn durch einen vollgil-
kigen Augenzeugen die auch vom Prof. Reuvens aufgestellte
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