Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 448
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der Bruch sehr rein, und eS dürfte eine sehr leichte Sache
sevn, den vorhandenen, ungezweifelt zur Statue gehörigen
Kopf, fast ohne Merkmal der gewesenen Beschädigung daran
zu befestigen. In der linken Hand hält die Figur einen Kranz,
an dem einen Finger sieht man einen 9?ing ausgedrückt —
Der Kopf ist ebenfalls bekränzt, und ans einigen an dem rech-
ten Ohr sich zeigenden Spuren einer Fingerspitze, scheint es,
daß die Figur sich diesen Kranz selbst aufsetzte. Auf dem
kleinen nebengebildeten Cippus liegt ein dritter Kranz. Die
Statue stellt keinen Kaiser, keinen Krieger vor, einen Grammatiker
oder Rhetor vielleicht, der in drei verschiedenen Wissenschaften
den Preis davon trug. Sie ist ein treues Bild eines ältlichen
nicht eben schönen Mannes, mit einer Adlernase: nach der
Arbeit zu schließen, wo die Haare nur mit kleinen vertieften
Strichen, (aber nicht ohne Geschick) angedeutet sind, dürfte
man die Statue in die Zeit der spätern Kaiser setzen: die
rechte Brust ist entblößt gebildet, die Drapperie mit Leich-
tigkeit und ausgezeichnet gut hingeworfen, Füße und Alles,
mit Ausnahme des Bemerkten, in vollkommen gutem Stande
der Erhaltung."

Da diese Statue auf jedem Fall schon darum äußerst wichtig
erscheint, weil sie die einzige ist, die uns ein Denkmal aus
der Alexandrinischcn Schule aufbewahrt: so habe ich die mir
davon mitgctheilte Zeichnung in Kupfer gestochen hier beige-
legt, und erlaube mir für jetzt nur noch einige flüchtige Be«
mcrkungen darüber.

B.
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