Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 10
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kräftiger wird, als dort. Der Unterschied ist so gross, dass die An-
setzung einer der Musenplatten an die linke Seite der Marsyasplatte
unmöglich erscheint. Als Motivierung für die verschiedene Arbeit
der Profile scheint sich dagegen wie von selbst die Annahme zu er-
geben, dass wir hier eine Platte der Vorderseite, dort Platten der
Nebenseiten vor uns haben, bei denen eine feinere Ausarbeitung des
unteren Profiles für den Beschauer doch verschwunden wäre.

Dass dies wirklich der Grund gewesen, ergiebt die zweite Beob-
achtung, welche zugleich zu der sichern Bestimmung des Ortes für
jede einzelne der beiden Musenplatten führt. Es muss bei näherer
Betrachtung auffallen, dass auf der ersten Platte die am meisten links
stehende Muse, auf der zweiten die sitzende Muse rechts unverhältnis-
mässig weit von dem Rande abgerückt ist, und zwar sind beide
gerade um die Dicke einer Platte weiter vom Rande entfernt als die
entsprechenden am andern Rande, d. h. die mit der Kithara und die
mit der Flöte. Es kann also kein Zweifel mehr sein, dass wir in der
That die zweite Platte hinten rechts an die Marsyasplatte anfügen
müssen, dass wir eine zweite Vorderplatte mit den fehlenden drei
Musen und der fehlenden linken Vorderecke der Basis zu ergänzen
haben, und dass an diese ursprünglich die erste Musenplatte recht-
winklig anstiess.

Wir gewinnen damit eine Basis von 2,70 m Breite, von 1,43 m
Tiefe und 0,96 m Höhe, für eine Gruppe von drei etwa lebensgrosscn
Figuren gewiss ausreichend. Vgl. die Masse im KatdXoyos.

Bei dieser Anordnung ergiebt sich nun auch wenigstens eine
Erklärung für die zunächst allzusehr befremdende Teilnahmlosigkeit
der Musen. Sie waren auf den Nebenseiten von dem Hauptvorgange
getrennt.

Über die Composition der Vorderseite können wir wenig Be-
stimmtes sagen. Fast das Einzige, das wir sicher voraussetzen können,
ist, dass auf der fehlenden Platte wiederum drei Figuren durch kleine
/wischenräume getrennt vorhanden waren, und das spricht ja allein
schon für die auch aus anderen Gründen wahrscheinliche Annahme,
dass hier eben die an der Neunzahl fehlenden drei Musen dargestellt
waren. Wie dieselben im einzelnen bewegt waren, ob eine von
ihnen, um den Beschauer über den Ausgang des Wettstreites nicht
im Unklaren zu lassen, mit einer Tänic auf Apollon zuschritt,
ob ferner, was wir unserm Gefühl nach erwarten möchten, dem
starken Accent auf der rechten Seite in der bewegten Figur des
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