Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 16
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amelung1895/0018
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
III.

Zu weit festeren und wichtigeren Resultaten gelangen wir bei
Betrachtung der zweiten Muse, welche im dorischen und ionischen
Chiton, das Himation um die linke Schulter und die Hüften geschlungen,
der ersten Muse zugewandt dasteht, die rechte Hand in die Seite gestützt

in der herabhängenden Linken
eine zusammengerollte Schrift.
Wie ein Blick auf unsere Ab-
bildung 2 zeigt, stimmt mit dieser
Figur in allen Hauptpunkten
eine bronzene Athenastatue im
archäologischen Museum zu
Florenz überein, mit dem einzi-
gen Unterschiede, dass der linke
Arm hier ganz von dem Mantel
verhüllt ist und sich die Linke
auf die Hüfte stützt1): eine an-
mutige, sehr jugendliche Athena,
deren zartes Gesicht einen offenen
freudigen Ausdruck zeigt, mit
kecker Überlegenheit in den
geradeaus blickenden Augen;
der stolz getragene Hals, die
schlanke Figur, die Festigkeit
der Haltung vollenden den
eigentümlich frischen Eindruck
dieses Bildes der Göttin, welches sich von dem strengeren Ideal des
fünften Jahrhunderts schon wesentlich entfernt.

Das Original unserer Athena muss äusserst beliebt gewesen
sein, denn es finden sich im Clarac nicht weniger als sieben weitere
Wiederholungen aus Marmor abgebildet:

Athena in Florenz.

l) Erg. der r. Arm, das ganze Unterteil von den Hüften abwärts, doch sind die Fitsse
antik. Die Spitze des Helmes ist abgebrochen, ferner fehlt das Ende des Haare« im Nacken
unterhalb des zusammenfassenden Ringes; dasselbe war besonder! angesetzt Audi die einst
besonders gearbeiteten Augen fehlen jetzt. Um von den fehlenden Teilen des Gewandes
eine Vorstellung zu geben, füge ich nach Clarac eine Abbildung [no. 3] der besten Marmor-
copie bei.
loading ...