Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

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befindet. Unsere Abbildung (5) ist nach
einem im Dresdener Museum befind-
lichen Gyps gefertigt. Dieselbe trägt
ganz dasselbe Gewand wie die Artemis,
nur ist dasselbe hoch unter den Brüsten
gegürtet. Die wesentlich schlankeren
Proportionen und die Arbeit im einzelnen
weisen das Stück aber in spätere Zeit,
etwa an das Ende des vierten Jahr-
hunderts. ')

Es ist nicht die Übereinstimmung
einzelner Motive, aber die Verwandt-
schaft des allgemeinen Charakters, welche
mich veranlasst, hier an die Artemis
von Ephesos und ihre Variation als
Athena in Villa Borghese (Heibig,
Führer II, no. 928) eine andere, ebenfalls
lebensgrosse Athena-Statue des Louvrc
anzuschliessen (Abb. 6)2). Die Propor-
tionen und die Haltung der Figuren
sind ganz die gleichen; in der Gewan-
dung herrscht die gleiche übersichtliche
Klarheit bei feiner Eleganz in einzelnen
Motiven. Die Form des Körpers kommt
auch hier trotz des complizierten Falles
des Chiton-Überschlages klar zur Geltung. Dieser letztere ist kunstvoll
und mit Absichtlichkeit gelegt. Er wird an der rechten Seite durch die
Bewegung der Hand hoch in die Höhe genommen; die hierdurch ent-
stehende schräge Überschneidung des Körpers durch den untern Rand
dieses Überschlages, die Ägis und die zwischen beiden liegende tiefe Falte
wirkt sehr reizvoll. Auch der Kopf hat echt praxitelischen Charakter

J) Eine mittelmässige Wiederholung im Museo Chiaramonti, no. 403 (Clarac 469, 886^
an welcher der r. Arm, der 1. Unterarm mit Schild und der Kopf ergänzt sind, beweist
dass auch dieses Werk in Rom bekannt war. Die Grösse der römischen Copie ist dieselbe
wie bei dem Original, d. h. Lebensgrosse. Furtwängler fuhrt, Meisterwerke p. 556, Anin. 2
diese Figur fälschlich als Wiederholung der Athena Borghese an (siehe den nächsten Satl

2) Fröhner, Notice de la Sculpt. du Louvre, no. 121. T4te anlique rapportee
Restaurations: Le nez, un morceau de la nuque et du chignon, les doigts de la main droite
(Le pouce est antique), la moitie de l'avant-bras gauehe avec la main, le petit doigt du pied
gauche. Raccords a la draperie.

Abb. 6. Athena im Louvrc.
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