Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 33
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Wir müssen demnach hier eine Wechselwirkung zwischen Meister
und Schüler, zwischen Praxiteles und dem Künstler der kleinen
Herculanenserin annehmen, eine Wechselwirkung, wie sie oft genug
in der Kunstgeschichte stattgefunden hat. Liess sich in dem Werke
des Schülers die volle übersichtliche Klarheit und Feinheit in Anord-
nung und Durchbildung vermissen, wie wir sie als spezielles Merkmal
praxitelischer Art kennen gelernt haben, so finden wir dieselbe in der
Figur der Polymnia ungetrübt wieder, ohne dass sich ein weiter Fort-
schritt zum Eleganteren und Raffinierteren verkennen liesse. Die
Rückführung derselben auf ein praxitelisches Original gewinnt aber
an Wahrscheinlichkeit und Bedeutung, wenn wir erkennen, dass auch
die übrigen erhaltenen Köpfe der Gruppe die gleichen stilistischen
Kennzeichen tragen und uns auf dasselbe Ziel hinweisen, wie der Kopf
der Polymnia.

Ich habe hierneben die sämtlichen zugehörigen Musenköpfe und
den Kopf des Apollon von vorn und von der Seite abbilden lassen.1)
Alle zeigen sie die gleichen, echt praxitelischen Züge unverkennbar.

Abb. 13 u. 14. Thaleia.

Zu dem Apollon vergleiche man besonders den Kopf des Lykeios
(Berlin, Beschreibung no. 44). Die Köpfe der Musen weisen vor allem
auf die Aphrodite von Knidos, gehen aber in der Zierlichkeit der
Einzelformen und besonders der Haarbehandlung über dieselbe hinaus,

') Es ist unmöglich, den Apollon von den Musen zu trennen und denselben, wie
vielfach geschehen (noch von Furtw., Mei-terw., p. 528), auf Skopas zurückzuführen. Das
enteK verbietet die vollkommene Übereinstimmung der Gewandht-handlung mit der der
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