Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 35
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Praxiteles hat eine Musengruppe aus Erz oder Marmor gearbeitet
— die Angabe des Plinius über das Material schwankt bekanntlich —,
welche in Thespiä gestanden hatte und von Mummius nach Rom

Gleich mit

Ilelbig no. 269

(Terpsichore).

1. a) Hübn. 52, Clarac 504, 1006. Kopf und Extremitäten erg.

Viel geflickt.
1>) Ilübn. 53, Cl. 517, 1057. Kopf und Arme erg. Teil
der Lyra antik. Abi). 20.

2. Ilübn. 49, Cl. 522, 1071. Kopf, Anne und Attribut neu. Gleich mit Ilelbig
no. 272 (Thaleia).

3. Ilübn. 51, Cl. 526, 1089. Kopf, Arme erg. Gleich mit Ilelbig no. 274 (Kleio).

4. a) Ilübn. 54, Cl. 529, : IO°- Kopf, Arme neu | Gleich mit
I)) Ilübn. 55, Cl. 536, 1115. Kopf alt, aber Hals zwischen- Ilelbig no. 273

gesetzt. Arme erg. Abb. 21. I (Kalliope).

Den Kopf von 4. b) bilde ich mit den Köpfen aus dem Vatican zusammen
ab. Hübner behauptet, derselbe sei zugehörig, und er scheint mir allerdings
stilistisch zu den genannten Köpfen durchaus zu passen. Auch Bewegung und
Ausdruck stimmen zu der Figur. Ferner geben wir ib und 4b noch in ganzer
Figur (die störendsten Ergänzungen sind jetzt augenscheinlich entfernt). Man
sieht an diesen Proben, wie ungleich besser diese Wiederholungen sind, als
die im Vatican, deren Verfertiger sich mit dem äusserlichsten Schema begnügt
hat. Erst die Madrider Copien können uns eine Vorstellung von der Pracht
der einstigen Originale geben.

Ausserdem sind nun noch zwei sitzende Musen in Madrid, welche nach
Ilübner mit den obigen zusammengefunden, aber im Vatican nicht vertreten sind:

5. Ilübn. 50, Clar. 501, 990. Arme mit Attributen neu. Kopf angesetzt, aber
alt; er stimmt stilistisch nicht mit den vaticanischen Köpfen überein.

6. Ilübn. 56, Cl. 514, 104S. Kopf u. 1. Arm, Keule, wahrsch. auch r. Arm mit
Teil der kom. Maske ergänzt, doch scheint der Teil derselben am Felsen antik.

Die Gewandbehandlung stimmt zwar ziemlich zu den übrigen Exemplaren,
doch ist in dem Falle, dass ein Teil der Maske antik ist, die Zugehörigkeit
ausgeschlossen, denn 2 war sicher einmal ganz wie die entsprechende Mose
im Vatican ausgestattet. An der Stelle wo dort die Maske liegt, ist hier ein
Stück aus dem Felsen gearbeitet.

Vielleicht können wir die Gruppe eher durch eine der beiden Musen in Villa
Ludovisi ergänzen. Schreiber, Villa Ludov., no. 61, ist eine Replik der Muse mit
dem Täfelchen = Madrid 4. Ihr Pendant, no. 2, ist indes weder im Vatican,
noch in Madrid vertreten. Leider ist der ganze Oberkörper vom Gürtel auf-
wärts modern, so dass man über das Motiv nicht das geringste mutmassen kann.

Endlich ist uns wahrscheinlich noch ein weiterer Kopf unserer Gruppe
in Stockholm erhalten, Photographie Lagrelius 5. Er sitzt dort auf einer
MänadenF'igur (?) auf. Sein Haar ist ähnlich gescheitelt, wie das der Polymnia.
Statt des Blumenkranzes trägt er eine gewundene Binde, in welche kleine
lilüten eingebunden sind. Gesichtsformen und Ausdruck stimmen ganz mit
* n der vaticanischen Köpfe überein.

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