Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 38
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Namen mit bestimmten
lieh ist es, dass hierbei

Entsprechend
jener Combination
von Name und
Attribut hat dann
der Künstler
seinerseits begon-
nen, die einzelnen
Charaktere bild-
nerisch zu ge-
stalten.

Ich glaube, dass
sich diese Erschei-
nung auf die an-
gedeutete Weise,
d. h. aus inneren
Gründen, aus dem
allgemeinen Stre-
ben jener Zeit, zu
variieren und zu
individualisieren,
besser erklären
dürfte, als aus
dem äusseren
Einwirken einer
anderen Erschei-
nung, dem seit

Attributen zu verbinden suchte. Ebenso natür-
zunächst grosse Schwankungen vorkamen.1)

Aristoteles immer
stärker werdenden
Spezialisieren der
einzelnen Zweige
der Dichtkunst
und der Wissen-
schaft, worin man
vielmehr eine Pa-
rallelerscheinung
erkennen darf,
welche im letzten
Grunde auf die-
selbe Entwickc-
lung der Anschau-
ungen in dem
betreffenden Jahr-
hundert zurück-
geht. 2)

Was nun die
Attribute angeht,
so sind Lyra und
Kithara, Schrift-
rolle und Täfel-
chen auch auf den
Vasenbildern üb-
lich. Dass die

Abb. 21. Muse in Madrid.

1 Schwanken doch Namen und Attribute selbst noch in römischer Zeit; Vgl. lue, Musen, p. 95 ff.

*) Wenn dann allmählig in später Zeit neben .Schreibrolle und 1 (iptychon auch das Tinten-
fass erscheint, neben der tragischen Maske hohe Kothurne und neben der komischen das zottige
Gewand der Hirten- Komödien und Ähnliches, so lassen sich diese zweifelhaften Neuerungen viel
eher dem klügelnden Verstände und der mangelnden Phanasie später, geringer Künstler zuschreiben,
welche in irgend einer Beziehung etwas Neues bieten wollten, aber zu neuer Gestaltung der
Charaktere nicht mehr fähig waren — eher, als dass man gezwungen wäre, anzunehmen, dass es
jemals eine Zeit gegeben hätte, in der die Musen in der Vorstellung der Griechen nicht mehr
die göttlichen Nymphen des Helikon gewesen wären, sondern symbolische Vertreterinnen ge-
wisser Dichtungsarten, >Lehrerinnen, die in staubigen Bibliotheken und Hörsälen dem Schüler
die verschiedenen Gattungen der Poesie auseinandersetzen oder auf dem Observatorium dem
Astronomen die Bahnen der Himmelskörper weisen.« (Trendelenburg a. a. (),, p. 14.)
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