Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 44
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Musen wiedergiebt, die andere aller Wahrscheinlichkeit nach das Werk
des Philiskos.

Die Ersteren sind uns zunächst nur aus den Münzen des Q. Pom-
ponius Musa bekannt, welche sämtlich bei Bie, Musen, Fig. 2 —14,
abgebildet und besprochen sind. Statuarisch scheint einzig die tragische
Muse erhalten in einer Marmor-Statuette des Vatican.x) Die Ent-
stehung der Gruppe hängt am wahrscheinlichsten mit der Regierung
des Pyrrhus zusammen, gehört also in den Anfang des dritten Jahr-
hunderts. Damit scheint auch, soweit man ihn aus den Münzen er-
schliessen kann, der künstlerische Charakter der Figuren zu stimmen.

Glücklicher sind wir bei jener dritten Musengruppc, die wir uns
zum grössten Teil mit Hilfe von zwei griechischen Reliefs und vielen
römischen statuarischen Copieen wieder herstellen können. Die beiden
Reliefs sind die Musenbasis von Halikarnass (Trendelenburg a. a. O.)
und die Tafel des Archelaos von Priene mit der Apotheose Homers
(am besten jetzt bei Brunn-Bruckmann, Denkmäler T. 50). Die Her-
kunft beider aus dem Süden Klein-Asiens und die weitere Thatsache,
dass eine der Musen, welche auf beiden wiederkehrt, sich als Terracotta
in Myrina gefunden hat2), beweisen, dass die betreffende Gruppe zur
Zeit der Entstehung dieser drei Werke, d. h. um die Wende vom zweiten
zum ersten vorchristlichen Jahrhundert in Klein-Asien wohlbekannt war,:i)
während die römischen Copieen hinwiederum dafür sprechen, dass die
Gruppe später in Rom berühmt war und jedenfalls also auch dort
gestanden hat.

Alle diese Beobachtungen drängen dazu, in der betreffenden
Gruppe das Werk des rhodischen Künstlers Philiskos zu erkennen,
das sich nach Plinius (XXXVI, 34) zu Rom in einem Heiligtum des
Apollon bei der Porticus der Octavia befand. Da nun in demselben

') Sala in forma di croce greca, Clarac 507, 1013. Nach der einen erhaltenen Basis
der ambrakischeo Musen (liullettino d. J. 1869, p. 8) waren diese in der Thal von unbe-
deutender Grösse. Einen Kopf der Gruppe will man in einem Kopf des brittisehen Museums
erkennen (Ancient marbles XI, T. II; Friedrichs-Wolters no. 1445).

") Reinach, (tbservations sur l'apotheose d'IIomere, Gazette archcol. XII, p. 133 "••
u. Pottier et Reinach, la Xecropole de Myrina, p, 34. Keinach hat hieraus die richtige
Folgerung gezogen, dass die entsprechende Figur auf dem Relief des Archelaos nicht die
l'ythia sei, wie man früher angenommen hatte, und dass ebendort die gTO * Gl itall aeben
Zeus demgemäs» Mnemosyne zu benennen sei.

3) Vgl. über die Datierung besonders Trendelenburg a. a. 1 >., p. IS u. p. 12, Anm. 21.
Die Terracotte nach Reinach aus dem Anfang des ersten Jahrhunderts v. Chr., vielleicht
50 Jahre älter.
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