Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

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Abb. 24.
Terracotta ans Tanagxa

Die einzige Ausnahme bildet T. VIII; hier finden sieh
schon Eigentümlichkeiten in der Gewandung, welche
eher in das dritte Jahrhundert weisen. Auf einer
Zwischenstufe — etwa dem oben besprochenen athen-
ischen Grabstein entsprechend — steht ein Figürchen,
welches sich im Besitz des Verfassers befindet und
hierneben abgebildet ist.l)

Auch in den sicilianischen Terracotten ist dieser
r Einfluss der praxitelischen Erfindungen fühlbar, wenn
auch — wie ja natürlich — nicht so rein wie in
Tanagra. Besonders zu nennen sind nach Kekule
»Die Terracotten von Sicilien«: T. XXIII, 4. XXYII1,
5. XXIX, 1, 2, 3. XXXI, 1. XXXII, 1, 2. XXXIV, 6.
XXXV, 2, 3. XXXVI, 3. XXXVII, 1, 2. XXXVIII, 1.
XXXIX, 4. Die meisten hiervon sind aus Kentoripa
am Ätna. Die übrigen in demselben Werk abgcbildi tt n
Figuren haben Motive, die in ältere oder jüngere Zeit gehören.

Endlich finden sich auch unter den Terracotten von Myrina einige
Figuren praxitelischen Charakters; so bei Pottier &
Reinach, la necropole de M., T. XXXV, 2 und T.
XXXVII—XXXVIII mit Ausnahme vielleicht von
1 u. 4; 3 u. 6 sind ungefähre Wiederholungen der
zuletzt besprochenen Figur aus Dresden.

Doch ist dies nicht die einzig erkennbare Wirkung
der praxitelischen Schule auf die Kleinkunst. Im
Louvre befindet sich ein Bronzefigürchen, eine Flora,
deren Gewand leicht archaisierend behandelt ist, aber
in vielen Motiven die greifbarste Verwandtschaft mit
der Dresdener Artemis besitzt. Das Köpfchen erinnert
an die Artemis von Gabii, mit der auch die ganze
leichte Bewegung des Körpers übereinstimmt.2)

Ferner denke man an die herrliche Artemis-
Statuette aus Cypern (vgl. Furtwängler, Meisterwerke,
p. 556). Eine fast genau, auch in der Grösse überein-

Altli. 25.
Ion in Louvre.

') Erworben in Athen. Der Fächer ist modern, doch lind antike Stützen für einen
solchen vorhanden.

8) Die Vorlage der nebenstehenden Abbildung (25) im nach einem Abguss im
Miinchener (iypsmuseum gefertigt. Man vergleiche hierzu den lehr verwandten StatuettentOl 0
im Berliner Museum no. 571); angeblich aus Ephesoi
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