Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

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Jugendzeit des Praxiteles. Aus diesem einfacheren Typus hat dann
er selbst oder ein Schüler die effektvollere Gestalt der Florentiner
Köre entwickelt. Zwischen beiden muss ihrer Abbildung nach eine in
Athen gefundene Figur stehen: Fe Bas, Voyage arch. Mon., Fig. 26;
Heydemann, Die ant. Marmorbildw. zu Athen, no. 199.

Die genannte Neapeler
Vase gehört nun aber
der Orthographie ihrer
Inschriften nach in das
dritte Viertel des fünften
Jahrhunderts; das Ge-
wandmotiv wäre dem-
nach keine ganz originale
Erfindung der praxiteli-
schen Schule, sondern
schon in der Zeit des
Phidias bekannt gewesen.
Das wird nun vollends
zur Gewissheit durch eine
kleine Gruppe im Palazzo
Barberini in Rom (M.-D.
51), in welcher der be-
kannte »Asklepios« der

Abb. 28.
Figur von der Insel Klaudos.

Uffizien (Dütschke, Ant.
Bildw. in Oberitalien III,
198), wie im Original, mit
einer Genossin vereinigt
ist, welche das Himation
in der Hauptsache ganz
in der Weise der »Urania«
trägt. Feider ist das
Exemplar so klein und
elend gearbeitet, dass
man Vergleiche und
Schlüsse hiernach allein
kaum wagen darf.1) Wohl
zum Vergleich eignet sich
indes eine wundervolle
Gewandfigur des britt-
ischen Museums von der
Insel Klaudos bei Kreta

(Abb. 28), iiugenscheinlich ein Werk aus der Zeit des Parthenon.2)

Dieselbe widerlegt vollkommen Furtwänglers Behauptung (a. a. O.),
dass im fünften Jahrhundert ein derartiges Gewandmotiv undenkbar
sei. Bei dem Vergleich mit der Köre des Musensaales ergeben sich
die gleichen charakteristischen Unterschiede und Fortschritte wie bei
den bisherigen Beobachtungen.

Zu ähnlichen Resultaten führt eine Vergleichung der oben genannten
Statuette aus Knidos mit der einen Karyatide in der Villa Albani (Heibig,
Führer II, no. 827), deren ursprüngliches Originell jedenfalls noch höher
in das fünfte Jahrhundert hinaufgehört, als die Figur von Klaudos.

') Abb. bei FnrtwiDgier, Meuterw., p. 397. ohne irgend einleuchtende Gründe
erklärt F., die weibliche Figur wäre eine Bpätere Zinnat zu dem ursprünglich als Einzelfigur
componierten Asklepios. Ich werde an anderem Ort näher auf die Frage eingehen.

*) Zuerst machte mich EL Bulle auf die Figur aufmerksam. Vgl. die eine im Mctroon
zu Olympia gefundene Statue, Ausgrabungen III, 19; Jas Original derselben gehurt der
gleichen Zeit an, wie jene.
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