Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 58
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Münze von Megara, welche die dortige praxitelischc (iruppe derselben
Gottheiten wiedergiebt, der Apoll ruhig stehend im langen Kitharödcn-
Gewande, mit Mantel, Kithara und Schale, also nach der älteren Weise.')

Auch das eigentümlich gekünstelte Verlegenheitsmotiv des er-
hobenen Himationzipfels auf unserem Relief ist doch nur aus einer
gewissen Unfertigkeit des Künstlers zu erklären.

Über die Figur des Skythen haben wir schon im ersten Abschnitt
gehandelt. Die untere Partie seines Rockes vom Gürtel abwärts er-
innert in manchen charakteristischen Motiven an den Chitonüberschlag
der Dresdener Artemis.

Die prächtige Figur des Marsyas ist ebenso wie die sitzende Muse
unmittelbar für das Relief erfunden, und die Verwandtschaft mit dem
Marsyas des Myron, auf welche Overbeck a. a. O. unter anderem seinen
Widerspruch gegründet hatte, ist nur ganz äusserlich.

VII.

Wir sind am Ende unserer Einzelbetrachtungen, und es erübrigt
noch, die allgemeinen Resultate zusammenzufassen.

Im Laufe der Untersuchungen haben sich immer mehr Anzeichen
dafür ergeben, dass sich der Künstler zur Zeit der Entstehung unserer
Reliefs noch in einem Stadium der Entwickelung befand. Anderer-
seits müssen wir zugestehen, dass derselbe in all den Eigentümlich-
keiten des Stiles, die nach unseren Beobachtungen den Grundunterschied
seiner Figuren von denen der Vergangenheit ausmachen, schon eine
gewisse Reife und Festigkeit erlangt hatte, welche eine kurze Ent-
wickelung bei ihm selbst vor der Entstehung der Reliefs voraussetzen
lassen. Demnach wird man das Alter des Künstlers auf etwas über
20 Jahre taxieren dürfen.

Schon die äussere Thatsache, dass Praxiteles für eine derartig
umfangreiche Aufgabe — zwei dreiteilige (iruppen — von Athen nach

') Imhoof-Blumer u. t.ardner, Nuui. cuniin. ol I'aii:,., PL A, X; I' FI, II.
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