Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 66
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allem auf die Porträtstatue des Äschines, welche wohl jedenfalls noch
vor dem Tode des Redners, also vor 314, aufgestellt worden ist, wahr-
scheinlich aber doch zur Zeit seines grössten Einflusses in Athen, d. h.
in den Jahren nach der Schlacht bei Chäronea (338). Benndorf hebt
mit Recht den bedeutungsvollen Gegensatz hervor, in dem diese Figur
zu der älteren Statue des Sophokles steht (zwischen 350 und 330).

Die angeführten Worte sind durch unsere Untersuchung im weitesten
Umfang bestätigt worden. Wir können jetzt »den eigentlichen Ver-
lauf dieses merkwürdigen Prozesses« auch »im einzelnen genügend
verfolgen«, und die Grundlinien, welche Benndorf angedeutet hat,
werden dadurch nicht verschoben.

Wir haben uns in unseren Betrachtungen bisher auf die Person
des Praxiteles beschränkt und auf diese alle Werke bezogen, welche
sich an die Reliefs von Mantinea anschliessen lassen. Es ist leicht
möglich, dass eine fortschreitende Erkenntnis manches dieser Werke
abgliedern und vielmehr einem Schüler oder Genossen, als dem Meister
selbst, zuerteilen wird. Aber sprechende Zeugen auch für die Ent-
wicklung dieses Meisters werden sie bleiben.

Einem andersbezüglichen Vorwurf der Einseitigkeit glaube ich
indes schon jetzt begegnen zu müssen. Man wird behaupten, dass ich
das, was die allgemeine Entwickelung des vierten Jahrhunderts mit
sich brachte, als das besondere Verdienst des Praxiteles dargestellt
habe, und dass alle besprochenen Werke wohl charakteristische Bei-
spiele des Jahrhunderts, aber nicht specielle Beispiele praxitelischer
Erfindung seien. Diesem Vorwurf zu begegnen, verweise ich vor allem
auf eine Statue, in deren Gewandung sich ein Motiv, das wir bei einer
Muse des Mantinea-Reliefs finden, wiederholt, die aber in der ganzen
übrigen Behandlung des Gewandes stark von den besprochenen
Werken abweicht; glücklicherweise ist hier auch der Kopf erhalten,
dessen Formen die Statue vielmehr den Kreisen des S k o p a s zu-
weisen, als denen des Praxiteles: die Demeter von Knidos.
Einzelne Gelehrte haben zwar bei dem Kopfe zunächst auch an
Praxiteles gedacht; nachdem wir aber durch die Köpfe von Tegea
die Eigenart des Meisters von Paros von der des Atheners haben

nicht — Statuengewand, sondern das Gewand des rexroiy selbst, dem bei der Arbeit der
Schweiss ausbricht und das Zeug an den Körper klebt, wie dem Henklet das Gewand
anhaftet. Ebenso ist der kurze Satz ausgelassen, in dem Ii. seinen Zweifel ausspricht, nb
der Hermes wirklich ein Werk des Praxiteles sei.
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