Amelung, Walther  
Die Basis des Praxiteles aus Mantinea: archeologische Studien — München, 1895

Seite: 70
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liehen Stil, in dem wir die letzten Nachklänge jener Richtung spüren,
die im fünften Jahrhundert ihr Feinstes in der Nike-Balustrade geleistet
hatte. Mit diesen Figuren sind nun stilistisch die Reste der ent-
sprechenden westlichen Giebelgruppe, einer Amazonenschlacht, wohl
vereinbar, besonders wenn wir bedenken, dass bei den Akroterien alle
Wirkungen gesteigert werden mussten, während sich der Künstler
bei den dem Auge näher gerückten 'und vor den zerstörenden Ein-
wirkungen der Witterung mehr geschützten Giebelfigurcn auf zartere
Effekte einlassen konnte. Alan vergleiche besonders die vom Pferd
stürzende (no. 137) und die ins Knie gesunkene Amazone (no. 138).

Einen durchaus verschiedenen Stil bemerken wir an den Resten
des anderen Giebels.*)

Schon die Bewegungen der Körper sind viel gewaltsamer und
heftiger; effektvoller, derber ist auch der Wurf der Gewänder. Nirgends
finden wir hier die Feinheit des anderen Giebels; der Künstler geht
lediglich auf decorative Wirkung aus.

Von den Akroterien der Ostseite hat sich nichts gefunden.

Trotzdem sich nun die besprochenen Akroterien und die Amazonen-
schlacht auf der Rückseite des Tempels befanden, dürfen wir doch
sie gerade, wie ich glaube, dem Timotheos zuschreiben; denn sicher-
lich gehören sie einem Meister ersten Ranges an, was wir von den
Gruppen des Ostgiebels, so interessant sie sind, nicht behaupten
können.

Die Ansicht, dass wir in diesen Resten Werke des Timo-
theos und speciell in den Akroterien seine Handschrift zu er-
kennen haben, gewinnt aber noch eine Stütze dadurch, dass sich
an diese letzteren ein sehr häufig wiederholtes Werk anschliessen lässt,
welches sicher von einem bekannten Künstler herrührt: der ältere
Leda-Typus (am besten im Capitol, Heibig, Führer I, 454). Derselbe
ist früher von Furtwängler (Samml. Sabouroff I, Einl. z. d. Vasen,
p. 8 ff.) dem fünften Jahrhundert zugewiesen worden; aber die Körper-
formen allein entscheiden für spätere Zeit (man vergleiche die breiteren

') Im Katalog ist als Gegenstand ein Kentaurenkainpf genannt. Der :dtc bärlijje
Kopf, no. 144, der von einer Hand ergriffen wird, kann aber unmöglich jemall einem Ken
tauren angehört haben. Seine Bedeckung lässt sich am boten ;d- phrygische Mütze erklären.
Sehr wohl kann in dem Giebel die Hauptscene au.^ der ' I/.wr <</.<»<>/„- dargestellt K''v"
sein, wie wahrscheinlich an dem Heraion von Argos und sicher an dem Zeustempcl zu
Akragas. Alle einzelnen Fragmente würden hierin ihre Stellen linden. Man vergleii hl
besonders das Florentiner Relief, du in den Köm. Mitth. IÜSS T. 11 publiziert i^t.
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