Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 1) — Leipzig, 1902

Seite: 18
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in der That gleicht das Kniestück auf dem mit jenen Urkunden abgebildeten Bug, auf Fol. 1—5 und auf den Lagen IVff. auch am äusseren Rand ent-

Königssiegel, falls dieses überhaupt mit irgend einem wirklichen Königs- lang. Für die farbigen Initialen der Indices sind auf Fol. 1—5 und 91—94

Siegel verglichen werden soll, am ehesten noch dem Bild dieses Friedrich auf noch weiter Senkrechte gezogen. Die Zahl der wagrechten Linien schwankt

dessen Thronsiegel, wenigstens was die Art betrifft, wie er das Szepter zwischen 24 und 31. Auf der ersten Seite laufen sie sämtlich quer über

hält. Die Wahrscheinlichkeit würde gegen derartige Beziehungen keines- beide Kolumnen, auf den folgenden Seiten nur über die innere (Schrift-)

wegs sprechen, obgleich von Friedrich dem Schönen nicht viele Urkunden in Kolumne. Die erste und dritte Linie von oben und unten laufen bis zum

sächsischen Landen bekannt sein konnten. Die sächsischen Herzoge ge- Bug, auf Lage IX—XVI die erste und letzte Linie, von Lage XVII an die

hörten zu seinen alten Anhängern und noch am 17. XI. 1324 hat er an erste auch bis zum äusseren Seitenrand. Cirkelstiche für die Horizontallinien

die Herzoge Rudolf und Wenzel eine Urkunde erlassen, worin er sie an- finden sich bald auf der senkrechten Mittellinie, bald am Zeilenanfang,

weist, ihre Reichslehen von Ludwig d. B. zu nehmen. Alles in Allem bald am Aussenrand.

dürfte sich die Entstehung von H im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts, Dje Schrift ist eine deutliche und sorgfältige Missale, auf den Lagen schritt,
und kaum später als 1315 ergeben. \f II tief braun, sonst heller. Eine Vorstellung von ihr verschafft das die
Hdmat. Zur genaueren Bestimmung der Heimat von H fehlt es bei der Un- Lineatur weglassende Facsimile hinter Lübben's Ausgabe. An den
Vollständigkeit dieser Handschrift an sicheren Anhaltspunkten. Doch wird Bücheranfängen stehen grosse in Blau und Gold ausgeführte Initialen,
das Ursprungsland kaum in weiter Entfernung von dem der Handschrift kleinere, in Blau und Rot wechselnd, bezeichnen die Anfänge der Kapitel
D zu suchen sein. Die Mundart ist obersächsich. Zur alten marchia und der einzelnen Abschnitte innerhalb derselben. Überschriften, Ordnungs-
orientalis, der „Mark zu Lausitz" des Sachsenspiegels, scheint der Besteller zahlen und der Name des Herzogs Johann, v. Lüneburg im Epiphonem sind
in näherer Beziehung gestanden zu sein. Denn ihr Wappen ist das einzige, rot. Rote Striche in schwarzen Buchstaben wie in D und H kommen
wozu der Illuminator Gold verwendete1). selten (z- B- Fo1- 15a) vor- Die Initialen waren meist im Falz, zuweilen
Schicksale. H gehört zu denjenigen Beständen der alten Palatina, die im Jahre am Aussenrand in Haarschrift mit Tinte dem Miniator vorgeschrieben. Er
1623 als Geschenk des Kurfürsten Maximilian v. Bayern an den Papst nach hat sie einigemale übersehen oder missverstanden. Die Nummerierung der
Rom gebracht und im Jahre 1816 von dort zurückgekommen sind2). Über KaPitel wurde nach den Imtialen ausgeführt, wesswegen man die Nummern
1622 zurück lassen sich ihre Schicksale nicht verfolgen. Ebenso wenig neben diese zwischen die Ze.len einrücken musste. Auch dabei sind dem
war zu ermitteln, wann der Codex jene beträchtlichen Verluste erlitten Miniator mancherlei Versehen, wie Ubersprmgen von Zahlen oder Aus-
hat, wovon Seite 15 die Rede war. Der jetzige Einband dürfte kaum über la*sen ganzer Zahlenreihen untergelaufen. Jede Seite trägt an ihrer Spitze
das 17. Jahrhundert zurück reichen. Er hat dem Codex neue Beschädigungen einen Kolumnentitel, der die Ordnungszahl des Buches und den Ordnungs-
eingetragen, da durch die abermalige Beschneidung sehr oft Stücke der buchstaben seiner nächsten Unterabteilung angiebt. Auf Fol. 52b ist zum
Bilder mitgenommen wurden. Die vorliegenden Überbleibsel befinden sich Buchstaben K die Zahl VIII vergessen, Fol. 80a/ anstatt Q gesetzt. Die
in bedenklichem Zustand. Das Pergament ist an den Rändern einiger beobachteten Schreibregeln kann man aus dem Lübben'schen Textabdruck
Blätter morsch und angerissen, die Schrift und die Farben der Bilder, und dem ihn begleitenden Facsimile ersehen'). Doch mag bemerkt werden,
insbesondere die grüne, verscheuert. Eine kindische Hand neuerer Zeit dass Hinrik Gloyesten Abbreviaturen für deutsche Wortbestandtheile ver-
benützte den leeren Teil von Fol. 30a als Tummelplatz für Federkritzeleien. hältnismässig selten gebraucht. Es sind die uns bekannten * = er,
Im Jahre 1901 war der Godex auf Zangeinieisters Antrag und mit ~ u'3er 11 = de.

Genehmigung der badischen Regierung an die Universitätsbibliothek zu Der Text besteht aus emer niedersächs.schen Rückübersetzung des Text.

München ausgeliehen^ land" und 'ehenrechtlichen Teiles vom Sachsenspiegel mit eigentümlicher

„, „ „ '> , .,, , , ,• u n • xu-ui- xi t Einteilung des Ganzen in fünf Bücher, worüber das Nähere in Geneal 363.

Dieowen- IV. O = Handschrift der grossherzoglichen Privatbibliothek _ , &, _ . , , , . KI ,, D ,

hl,™«- Hand au . a 1 ! i i u i i \/ i xr j- Er umfasst Fol. 6a—133b nebst 135, wo noch ein Nachtrag zum V. Buch

bm-ger Hand-zu Oldenburg A. 1. 1., — abgeleitet aus einer verlorenen Vorlage N, die _ , . . ,. „ . u„-.^^A^ir -± i • j •

schritt. & ' . & . & ' Fol. la—5a nehmen die Verzeichnisse der Kapitelanfange in den drei ersten

zu der Vor age von D und H im Verhältnis der Seitenverwandtschaft stand, „.. . , . . , , . , . „.„^„j„0+ „„ ■ ,x i

,„ , ocos0^ox ... . , n , , „. ..' Buchern d. h. im Landrecht ein, geordnet nach Kolumnen (tabalae), die mit

(Geneal. 363—373), — geschrieben 1336 im Kloster Rastede von Hinrik _, . . . . , . , ,. , n .. f , , . ,. .

yZ, \ ... /' _ s, , , „. , , ~ „ , Buchstaben m alphabetischer Reihenfolge (a - s bezw. t) bezeichnet sind,

zusammen- G oyesteti für den Grafen Johann von Oldenburg. Der Codex be- _. , ' ... iw d u j l

Setzung L ,f i i r» i i u -nv u o-, o n Ein ebenso eingeteiltes Verzeichnis zum IV. Buche, d. h. zum ersten des

steht aus 136 Blattern von starkem Pergament und durchschnittlich 32,8x22,8 cm . , ,, ° , , , , , P . m „' ... , , „ .

_ .. „. , 10_ . , , ... , . ,' ' ., Lehenrechts, mit tabulae a — h steht Fol. 91 a—94b, wahrend das V. Buch

Grosse. Die ersten 135 Blatter sind beschneben und in neuester Zeit mit

Bleistift nummeriert. Zum Einband dienen zwei alte Eichenbretter mit

eines solchen Verzeichnisses entbehrt. Auf Fol. 133b f. steht das Epiphonem

des Hinrik Gloyesten. Sein Werk erweist sich als eine ziemlich fehler-
modernem Uberzug von feinem rotem Saffian. Im Vorderdeckel ist jetzt . ,, , ... . . a:^ ~i • u ' j.^ i » ■

tJ_ „ _ , , . . n„ , , , . , „.,.„, , .. . , ' hafte Abschrift einer Vorlage, welche die gleiche Gestalt hatte. Auch die

ein a ter Bogen Go dpapier, im Ruckdeckel das Blatt 136 aufgeklebt. Eben- ... . , ,. ... „„+„^mmQ„ a ■ u u ^ -± i wr .

, , , .. , ' 1 , '. , „ , -s. , „, , , s , , . , Indices sind dieser Vorlage entnommen, da sie bald Kapitel und Worte
dort der Name des Buchbinders: Carl Uieseler Oldenburg, der bei der . , ,. ~ , „. • -r- , . . ,' . . , , .

, _. . , , , . ,, ,, . ,,. . , verzeichnen, die Gloyesten selbst im lext ausgelassen hatte, bald den An-
Erneuerung des Einbandes auch noch eine alte Messingschliesse wieder , . ' ., . ^ . ,T, ... , . ^ , , ,_, . ,

, is, ± _ „ , . , . „ ■ j- j fang eines Kapitels bei andern Worten ansetzen als der Text, bald in der

verwendet hat. Der Bogenlagen sind im Ganzen zwanzig, die von der „ . \ t_, 0k,„o;„u„,v2\ i j w r ,

. . , s , & c. .. . , i", . _ Kapitelnummerierung vom Text abweichen'). In der Vorlage muss auch

zweiten an bezeichnet wurden. Die Signaturen, romische Zahlen am Fuss . 1 , , .. „ , „ „„„„„ . ... .. , • ,

, , L x _ .± , , . , .. .... , r.. 0 . , ein Index zum V. Buch vorhanden gewesen sein, da dieses die gleiche

der letzten Bogenseiten, haben sich grösstenteils erhalten. Die Bogen jeder _ , . . , . , ... „m,„mu„jn„ D.. , , . n f..

. . . ° _, .' , , . c •. • j i ■ j i- i c i Tafeleinteilung hat wie die vorausgehenden Bucher. In der Raumverteilung

Lage sind in der Regel auf den ersten Seiten jeder Lage in der linken Ecke , ,. . . , .&, , n:„a\r^in„a „„ . i ,^

? . L &, . , ' . j c , . , , . n,..u befleissigte sich Gloyesten, seine Vorlage genau nachzuahmen (Geneal. 366).

unten nummeriert und in den entsprechenden Ecken der letzten Blatter .,& ... . , . ,an , „ 7Q;iQ„ a , r. j •

..... „. , 10 , ,v. ' v,„.. ... ,. . Korrekturen finden sich zwischen den Zeilen und auch am Rande. Zwei-

ltenert. Die 17. und 18. Lage (XVI, XVII) sind in die 16. (XV) emge- ... ... . . „„„ .ae. v-, , . , „ ... . ..

, Ii. r^- r.,..,, j r> x -i • u z i j mal ist auch die Auslassung eines Kapitels vermerkt. Der Miniator

schaltet. Die Blatter und Bogen verteilen sich folgendermassen: ... , . „ . . xr^u^ n0,-,^ „ • c i . • . , ... ,

& & arbeitete ebenfalls nach der Vorlage. Denn gewisse Fehler in den Initialen

des Textes wiederholen sich in denen der Indices, obwohl diese nicht aus
dem Text von O abgeleitet sind. — Einen vollständigen Abdruck des Textes
hat A. Lübben herausgegeben: Der Sachsenspiegel, Landrecht und Lehen-
recht nach dem Oldenburger cod. plct. von 1336 (Oldenburg 1879). Diese
Ausgabe genügt jedoch wissenschaftlichen Ansprüchen nur sehr wenig.
Die Anordnung des Druckes ist willkürlich vom Herausgeber gewählt. Er
lässt das fünfte Buch unter dem Titel des vierten erscheinen und gestattet
sich Zuthaten, die er ebensowenig als solche erkennen lässt, wie seine Auf-
lösungen der Abbreviaturen.

Illustrationen haben bloss die drei ersten Bücher und auch das Illustrationen,
dritte nur bis III 81 § 1. Die Zeichnungen, denen fast immer der verbin-
dende Buchstab fehlt, wurden mittelst Bausen nach den Bildern des ver-
uneatur. Frei von Lineatur sind nur Fol. 134b und 136. Sonst wird jede Seite lorenen Codex N hergestellt, und zwar bei mindestens 255 Darstellungen

durch eine senkrechte Linie in zwei Kolumnen von wechselnder Breite ge- jn der Weise, dass die Bausen auf der Vorderseite abgeklatscht wurden,
teilt. Von ihnen ist im Gegensatz zu D, H und W stets die äussere für

die Illustration bestimmt. Eine zweite Senkrechte läuft auf jeder Seite am 1} Dazu vergl auch Lübben a. a. Q. S. VI.

2) Vergl. Lübben's Ausgabe S. 17, 26, 60, 86, 87, 31, 44, 98, 109, 120. Diese Aus-
x) Fol. 22a No. 2 (Farbendruck bei Posse a. a. O. II Sp. 9 10). gäbe macht aber nicht ersichtlich, dass auf Fol. 82b die Zahlen V—IX fehlen, die der

-) Wilken Geschichte der Heidelberger Bächersainmlungen 371. Index unter Kolumne r aufweist.

Fol

. 1-

- 5 -

eine

unbezeichnete Lage von 4 Bogen,







Blatt ausgeschnitten.



6-

- 85 "-

Lage I—X zu je 4 Bogen.



86

91 -



XI zu 3 Bogen.



92-

- 99 -

v

XII zu 4 Bogen.



100-

-105 -



XIII zu 3 Bogen.

»

106-

-113 -



XIV zu 4 Bogen.



114,

115 -

v

XV erste Hälfte, 2 halbe Bogen.

»

116-

-131 -

>j

XVI, XVII zu je 4 Bogen.



132,

133 -

jj

XV zweite Hälfte, 2 halbe Bogen.

v

134

-

?j

XVIII, ein halber Bogen.

)t

135,

136 -

11

XIX, ein Bogen.

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