Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 1) — Leipzig, 1902

Seite: 34
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Bild kann hier keine Rede mehr sein. Die zahlreichen blattgrossen Holz- lieh gewesen. Nicht als ob die Abnahme des Verständnisses für die

Müiaeusund schnitte in des Jo. Millaeus Praxis criminis persequendi elegantibus aliquot Rechtssymbolik es ausgeschlossen hätte. Wir haben schon gesehen, der

figuris illustrata (Par. 1541, 4°) und des Jod. Damhouder Enchiridion rerum Schwerpunkt jener merkwürdigen Arbeit liegt gar nicht in der Symbolik

criminaliam elegantibus aliquot figuris illustratum etc. (Lovanii 1554, 4°)') des Rechts, sondern in der Symbolik des Künstlers. Und ausserdem

sind wenigstens teilweise eigens zu diesen Schriften angefertigt, ebenso würde auch die Voraussetzung nicht zutreffen. Man braucht blos von

wie der Titelholzschnitt in Damhouder's Patrocinium pupillorum (Brugis den so unsymbolischen Zeichnungen des Liegnitzer Codex weg einen

1554, 22), und neben dem dekorativen Zweck, der sich in den Um- Blick in den Text des Nicolaus Wurm zu thun, und man wird sich über-

rahmungen ausspricht, verfolgen sie zweifellos auch die Absicht, den Inhalt zeugen, dass gerade die Rechtssymbolik so ziemlich das Einzige im

einzelner Textstücke zu veranschaulichen, doch streng in den Grenzen des nationalen Recht ist, wofür sich der Mann das Verständnis bewahrt hat.

Genrehaften, so dass auch hier das eigentlich juristische Thema wenig Wie hätte auch der Sinn für Symbolik des Rechts ersterben sollen in

zu Wort kommt. Die Illustrationen zu Damhouder's Praxis rerum einer Zeit, in der die Weistümer voll davon sind? - in einer Zeit, in

civilium (Antverp. 1567, 42) bestehen grösstenteils aus Nachschnitten oder der die Wappensymbolik, die Symbolik der Ritterorden ihren Höhepunkt

Bearbeitungen derjenigen im Enchiridion rerum criminalium und Patrocinium erreichte? Was die Folgezeit dazu bestimmte, sich von der Richtung des

pupillorum. Sachsenspiegel-Illustrators abzuwenden, das dürfte vielmehr im Charakter

warum die Es hat also in der That den Anschein, als wäre ein Unternehmen der spätmittelalterlichen Kunst zu suchen sein, die in der figürlichen

raustraöonohnewie das der Codices picturati des Sachsenspiegels von 1350 ab unmög- Komposition den Realismus begünstigte, während sie den Symbolismus,

Nachfolge? -.-- wenigstens den profanen, in die Randzeichnung verwies.

J) Nachschnitte in Praxis rerum criminalium v. Damhouder, Frankfurt 1565.

Anhang.

Aus W Fol. 34, 35, zur Ergänzung der Textlücke in D zwischen Fol. 29 und 301).

[zu laste spre]che [Fol. 34 a] ich dar vme ab he in slet durch des hre schult j zu
schade Sprech ich ab he en geslage hat da? / he sins hre dinst nich volbrege mag. das / sal
he de hre bessern, alse d knecht solde ab he \ as des hre dinste we käme, vn m buse im j
bessern he en neme sich ab des lastirs vn des I schade uf de heilige, kege des knechtis
hre I de he geuage oder geslage hatte. Wer eine j ma geuage hat d mus entwte icliche simej
hre . vn icliche sime mage. vn sime wibe. wirt j he dar vme beschuldig' di wile he en in d
hafte I hat.

— _ _ £ S \ S

XXXIII. Die hanthafte tat is da j wo ma eine ma in d begrift. od in d j vlucht
d tat. od ob he dabe od roup in sine ge j wn hat. da2) selbe den slussil zu treit.

XXXII1I. Wer so vb de andn tag sine dube od sine \ roup vn einte mäne videt
d is offen j bar gekouft hat. vn is invorhaln hat ge \ halde. vn des gezug hat. den en mag
ma I kein häthafte ta geschuldige. ab ma wol j vint di dube vnd im . he en habe dene vor
sin j recht vorlorn . we m des richters urlobe mus / he sin gut wol ane vage mit rechte. wil
ab I ien sin gut werin m rechte er is vor gerichjte kamt. so bite en wid kere vor gerichte. j
weigirt hes he schrie im das gerufte nach. j vn grife en an vor sine dip . als ab di tat /
hathaft si. we he sich schuldg.hat gemacht\ m d vluch* Kumt ab ien m willen vor gel

S — t S S S

richte. he sal sich vnd winde sins gutis m \ rechte. spricht ab ien da wid ab is gewant j is

— _ S S S

he en habe is läse wirke . od ab is phert sin j od and vie he habe is in in sime stalle

gezoge . I he mus is mit mereme rechte behalde. ie / nir d is in de gewere hat ab hes
selb dritte

S ——SS — s

[Fol. 34 b] sin nakebure gezuge mag dene ien d is ge j anevagit hat. Spricht ab
ien he hab is j gekouft uf de markte he wisse nich' widir i wen. so is he dube vnschuldig.
das he bewi j se. vn sin rech* dar zu tu . sine phenige vor j last he ab di he dar vme gap . vn
ien behelt \ sin gut. das im vorstoln was . ab he sich dar j zu czut uf de heilige selb dritte
vollen kv j mener lute an irme rechte. di is wissen das j is im duplich od rouplich. genume

SS — s — —

si. I [S]pricket ab ien is si im gegebe. od he habe j is gekouft so mus he benehe smen gewern ]
wid den hes gekouft hat. vn di stat da hes \ ine koufte he mus ab swern das hes zie j czu
rechtir czucht. so mus im ien volge vb j vierezenacht wo he czuet ane vb schifriche / wassere .
wirt hes gewert als recht is d gewe \ mus entwte an sin stat vor das gut. wirt j ab im bruch
an deme gewere . he mus das / gut in gewette vn mit buse lasen, vn ziet j man en dube od
roubes dar an . des mus he j sich enschuldege noch rechte. vorluset is och* / d. der is geanevag*
hat. he mus is lasen m j buse vn m gewette. Man mus sich wol zi / en uf mache gewern

s S — _ s j_ _

d eine uf den andn. j also lange bis ma kvmet uf de d is i sime \ stalle gezoge hat ab is

s

vie is od ab hes selbe \ gezugit hat ab is gewant is. selp dritte j sal he sich dar zu zien
der is geanevangit / hat. ab yetne bruch wirt an deme gewern j vnd deine das gut gewangit
wirt. der sal j das gut halden in sinen gewern bis is im mit rechte an gewnnen wirt.

') Farbige Initialen sind hier durch fetten Druck gekennzeichnet. Die dazu gehörigen Bilder bringen wir
auf den 3 Ergänzungstafeln.

2) Am Rande ist he einkorrigiert.

[Fol. 35a] XXXV. Was iemant vint. louket hes I ab mä da nach vrag' so istis
dubig . was I d mä vint. od dibin od roubern abe iayt. das \ sal he uf bite vor sine gebure vn
zu d'kirche I kvmt ien bin sechswoche de das zu hört. / d sal sich dar zu zien selp drittle,
vn gib die / kost die ien da mite gehabit hat. ab is j phert od vie is. Is ab ien von eime
andn \ gerichte des das gut ist. so behelt hes das j dritte teil. der is den dieben od den
roubern j abe geiaget hat. kamt ab nimdt bimie sechswoche d sich zu czie so nimt der \
rieht zwei teil vn ien behelt das dritte teil.

XXXVI. Der ma sal gelde den schade / der von siner vorwarlosekeit ge j schit
andern liäc.is si von brande od'vonjburne de he nich' bewart en hat eins knyes\ho ub
d erde, od ab he schuset od wirf et ei j ne mä.od ein vie alse he remet eins vo \ gels. hir
vme vorteilt mä im nich* sine j Up noch sin gesaut ab d mä wol stirbit. j wen he mus en

— s

gelde alse sin wgelt stet.

XXXVII. Wer des nachtis kom stilt \ d vorschult de galge. stilt hes des ta j gis
is get im an de hals. Welch wege j uertig mä1) uf de lade vrezzit. vn is nirge \ en vuert d
gelde de schade noch sine wde.jNimät is och phlichtig vor sine knecht j zu geldene vorbas
wen als sin Ion gewert. he en werde sin bürge.

XXXVIII. Vortribet ab d hre de knech he sal j im sin volle Ion gebe.entket der/
knech de hre von mutwille he sal deme h / rc also vil gebe als im d hre gelob hatte.

[Fol. 35 b] vn was im vorgolde is das sal he czwiualt \ wider geben.

XXXIX. Welch knecht ab \ dich wip nimt . od eine vormäde \ schaß an irstirbit
vä kindn di binne ire iarej sin. d mus wol us sins hre dinste kvme . vn j behelt alse vil lones
als im gebart. bis an j di zit. is ab im me gegebe das gebe he wid j ane wandil.

XL. Wes hunt od bei- od j ochse . od welch häde vie das si. eine j andn tötet, od

SS S S . S

belemt od ein vie. sin hre j sal de schade noch rechteine wgelde od noch sime wde bessern.
ab hes ane sine gewer \ nimt noch d zit alse d schade geschiet. Slet j hes ab us. vn en houet
is noch en huset is j noch en esset is. noch en trenkt is. so is he / vnschuldig an de schade.
so vndwinde sich \ ien vor den schade ab he wolle . kein vie vor \ buret kein gewette dem
richte an sin tat. Welchen schade ab eins mänes phert od j sin vie tut an sins knechtis
od an sins ge / sindes hüte. da sal d vor entwte in des hüte j is was . wirt ab he abrunnig.
wdJ des I mänes phert od ochse vn wage bestetigit i j der häthafte tat vn mag mä das
gezuge . I d mä mus bessern des das vie vn d wage is j ab hes nich entrede kä also verre
alse sin wa / gl vn sine phert od and and [! ] sin vie wert is . j das da uf gehalde is . od he
mus is vnpern. vn ien behelt is vor sine schade. Vrezzit \ ein ma sin nakebure kom od
and ir sat mit \ swine od m gense di mä nich gephede mag. \ hezzit mä si dene in hüden.
biesin si di hude j tot. od wnde si sie. ma blibit is ane wandil.

XII. Wo d rieht sin gewette nich' us / gephede en mag uf eins mänes eige das j also
klei [ne

l) korn am Rande ergänzt.

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