Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1904

Seite: 215
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Die grosse Bilderhandschrift von Wolframs WMehalm. 215

wähl, Schillers Schwager, Bibliothekar zu Meiningen, f 1815.
Aus Docens Besitz ist dann das Bruchstück in die Staats-
bibliothek gekommen. Bis 1809 scheint es übrigens Docen
noch unbekannt gewesen zu sein, da er es unter den Wolfram-
fragmenten seiner ,Miscellaneen' II 114 ff. nebst Anhang (1809)
nicht erwähnt. Nur schwache Spuren führen weiter zurück,
bis etwa ins 16. Jahrhundert. Auf dem vorderen Deckel
(= fol. 2 a) stehen rechts1) oben in der Ecke mit schwarzer
Tinte von fester Hand geschrieben die Worte:

nOIKIAQN
AEKTQN
Vol. II

Ein griechisches Buch unter einem solchem Titel ist auch den
besten Kennern der spätgriechischen Literatur unbekannt. Ver-
mutlich deckte der Einband überhaupt kein griechisches Werk,
sondern die ,bunten Aufnahmswürdigkeiten' oder m. a. W. das
Notizbuch eines Humanisten, der es nicht in seine Bibliothek
einstellte, sondern beständig vor sich auf dem Pult oder Schreib-
tisch liegen hatte. Hierauf deuten auch die vielen Klexe, die
mit derselben schwarzen Tinte, womit der griechische Titel
geschrieben ist, auf die Titelseite gespritzt wurden. Durch die
Ablösung von dem Buchdeckel haben die Münchener Pergament-
blätter im Gegensatz zu denen von Heidelberg neue uud zum
Teil sehr schwere Verletzungen erlitten, so dass sich ihre
Masse nur annähernd bestimmen lassen: Höhe etwa 24 und
25,7, Breite ungefähr 18 und 22 cm, wobei aber zu bemerken,
dass der untere Rand und von fol. 1 auch der äussere Seiten-
rand weggeschnitten ist. Die grösste Breite des wieder zusammen-
gesetzten Bogens misst jetzt noch 41 cm. Dass die Münchener
Blätter einst das nämliche Format wie die zu Heidelberg hatten,
wird sich alsbald im Zusammenhang mit der Lineatur erstehen.

Die Einteilung ist in H und M im wesentlichen die
gleiche. Eine Vertikallinie spaltet jede Seite in zwei Kolumnen,

') Rechts und links sind in dieser Abhandlung heraldisch zu
nehmen.

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