Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1904

Seite: 216
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Karl v. Amira

wovon stets die innere und die schmalere von der Schrift, die
äussere und fast doppelt so breite von der Illustration ein-
genommen wird. Eine zweite Vertikallinie grenzt die Schrift-
kolumne gegen den inneren Seitenrand hin ab. Die Breite
der so begrenzten Schriftkolumne betrügt in II 7—7,2 cm, in
M 7—7,5 cm, die Breite des inneren Randes zwischen Schrift-
kolumne und Falz in H 1,2 — 2 cm, in M ungefähr 1,8 cm.
Horizontallinien hat nur die Schriftkolumne. Es war also
jede Seite von vornherein dazu angelegt, neben dem Text fort-
laufende Illustrationen aufzunehmen. Die Zahl der Horizontal-
linien in den Schriftkolumnen beträgt stets 30 mit einem gegen-
seitigen Abstand von 8—9 mm. Die gesamte Lineatur ist mit
brauner Tinte hergestellt. Die Breite des Randes über und
unter den Schriftlinien lässt sich nur für H feststellen, da in
M diese Ränder teils weggeschnitten, teils abgerissen sind. Der
obere Rand misst in H 1,5—2 cm, der untere 4,8—5,4 cm.
Ergänzt man den Fuss der Münchener Blätter mit diesem
unteren Rand von H, so erhält man eine Blatthöhe von unge-
fähr 29,4 — 30,5 cm, woraus die ursprüngliche Ubereinstimmung
der Formate von H und M erhellt.

Die Bogenlagen des Codex, wozu H gehörte, waren signiert.
H selbst war zufolge der am Fuss von fol. 2 b erhaltenen Sig-
natur der äussere Bogen von Lage XIII.

Die Schrift steht über den Linien, rührt von kräftiger
Hand und ist mit derselben braunen Tinte wie die Lineatur
mit Sorgfalt ausgeführt. Die Buchstaben sind gotisch, sehr
deutlich und gleichmässig und innerhalb der Verszeilen etwa
4 mm hoch. Höhere Buchstaben eröffnen die Verszeilen.
Abwechselnd rote und blaue Initialen stehen am Beginn der
einzelnen Abschnitte, zu denen Bilder gehören. Der Schreiber
hat sie dem Miniator in feiner und kleiner Schrift angegeben.
Eine Verschiedenheit der Schreiberhand zwischen H und M
vermag ich nicht zu erkennen und ebensowenig einen Unter-
schied unter den Initialen. Auch die Schreibregeln, die in
H und M beobachtet wurden, sind, soweit feststellbar, die
nämlichen. Über i steht gewöhnlich der Strich, doch nicht
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