Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1904

Seite: 224
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Karl v. Amira

von Buchdeckeln abgelöst. Über ihre weitere Herkunft ist
nichts bekannt. Jedes der beiden Blätter ist der Länge nach
wohl schon vom Buchbinder so durchschnitten worden, dass
selbst ein Teil der Bilder verloren ging. Es lässt sich also
ihre ursprüngliche Breite nicht mehr bestimmen; die heutige
beträgt bei Nl (= Nr. 1104) 11,5, bei N 2 (= Nr. 1105)
11,7 cm. Die Höhe misst bei beiden Blättern jetzt 30,1 cm,
was der ursprünglichen Höhe nahe kommen mag, da eine Ver-
kürzung nur durch Zusammenschrumpfen des Pergaments ein-
getreten sein kann. Der Grösse nach würde also N zu H
passen. Die Blätter sind auf beiden Seiten mit leidlich gut
erhaltenen, kolorierten Federzeichnungen bedeckt. Von irgend
einer Lineatur ist nichts zu bemerken. Dass einst neben den
Bildern ein Text stand, ist schon darum wahrscheinlich, weil
von den Bildern nur sehr kleine Stücke fehlen, die Blätter
aber sehr viel breiter gewesen sein dürften als ca. 12 —13 cm.
Lief nun ein Text nebenher, so kann er wie in H und M
nur die innere Kolumne eingenommen haben. Wie in H und
auf den Rothschen Fragmenten, wie ferner der Regel nach
auch in M, so stehen auf jeder in N vorliegenden Illustrations-
kolumne drei Bilder übereinander, und zwar, wie in H und
teilweise auch M, ohne durch Querlinien voneinander getrennt
zu sein. Zeichnung und Kolorit verraten auf den ersten Blick
die allerengste Verwandtschaft mit M und insbesondere mit H.
Die kurzen menschlichen Leiber von knapp fünf Kopflängen
und mit den weit aufgerissenen Augen in den breiten Gesichtern,
die kräftigen schwarzen Umrisse, die Beschränkung des Farben-
vorrats auf Mennige, Smalte, Permanentgrün und Gold ist die
gleiche wie dort. Wie dort, so sind auch hier die Farben
flächig und stark deckend aufgetragen, die Umrisse über den
Farben der Kleider schwarz nachgezogen, aus den weissen
Gesichtern Lippen, Wangen, Stirnen und Nasenbeine mittelst
mennigroter Linien hervorgehoben,*) die Eisenteile der Rü-

') Dieselbe rote Modellierung ist auch auf allen andern nackten
Körperteilen durchgeführt.
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